Offener Brief an PD Schiewe 23.03.2017

Sehr geehrter Herr Schiewe,

mit dieser E-Mail nehmen wir Bezug auf Ihr Gesprächsangebot, welches Sie uns im Rahmen der 15-Jahre-Feier des Fanprojekts im Dezember 2016 Feier unterbreiteten.
Wir möchten Ihnen mitteilen, dass wir uns entschieden haben, dieses Angebot nicht wahrzunehmen. Sofern wir Sie richtig verstanden haben, sollte es in dem Treffen inhaltlich um die Grundlagen ihrer polizeilichen und unserer ehrenamtlichen Arbeit gehen. Für diesen Austausch sehen wir momentan keinen Bedarf, da Sie uns die Grundlagen Ihrer Arbeit bereits bei der Sicherheitskonferenz in der Sommerpause 2016 erklärt haben. Wir haben diese verstanden, protokolliert und an die Fans weitergegeben. Allzu viel Grundsätzliches wird sich seitdem ja sicher nicht geändert haben. Die Grundlagen unserer Arbeit haben wir auf eben jener Feier dargelegt. Falls Sie dazu noch Fragen haben, zögern Sie nicht, uns im Rahmen eines der nächsten Sicherheitsgespräche anzusprechen.

Ein weiterer Grund für die Nichtteilnahme sind die immer noch nicht komplett öffentlich aufgearbeiteten Vorfälle vom Pokalfinale in Luckenwalde. Auch wenn wir es Ihnen hoch anrechnen, dass Sie als Einziger von Polizeiseite aus Stellung zu unserem Dossier nahmen – und das obwohl Sie beim Einsatz nicht einmal direkt beteiligt waren – haben wir einfach keine Lust mehr auf informelle Gespräche. Stattdessen fordern wir eine öffentliche Stellungnahme, gern auch in Form einer Pressemitteilung, die folgende offene Fragen klärt:

• Wir erwarten von der Polizei Brandenburg, dass endlich die Zahlen zu den verletzten Fans überprüft und korrigiert werden. Es muss endlich anerkannt werden, dass es eine sehr viel höhere Zahl an durch Reizgas verletzte Personen sowie einige schwerverletzte Fans gab. Die Öffentlichkeitsfahndung nach einem vermeintlich schwerverletzten Fan bestätigt diese indirekte Korrektur der Zahlen bereits. Hier fehlt aber eine explizite und öffentliche Entschuldigung für die Verbreitung falscher Zahlen und Korrektur derselben.

• Wir wollen endlich wissen, gegen wie viele Beamte genau und wegen welcher Straftatbestände ermittelt wird. In bilanzziehenden Presseerklärungen wird regelmäßig nach Fußballspielen veröffentlicht, gegen wie viele Personen auf Grundlage welcher vermeintlicher Straftaten vorgegangen wurde. Im Zusammenhang mit den Vorwürfen gegen Polizist*innen fehlen diese Angaben. Es ist deshalb völlig unklar, ob auch gegen jene Beamte ermittelt wird, die exzessiv und durch nichts gerechtfertigt Reizgas versprüht haben. Darüber hinaus ist nicht bekannt, ob die gewalttätigen Beamten, die so viele Fans verletzt und traumatisiert haben, weiterhin im Einsatz sind und eventuell auch bei Spielen des SV Babelsberg 03 eingesetzt werden. Das heißt, bei jedem Kontakt mit Bereitschaftspolizist*innen müssen die Fans davon ausgehen, dass sie erneut mit jenen Beamten konfrontiert sind, die sie in Luckenwalde verprügelt und mit Reizgas eingesprüht haben. Für eine echte Aufarbeitung sind Informationen zu den Tatbeständen, den daraus folgenden Ermittlungen sowie mögliche dienstrechtliche sowie strafrechtliche Konsequenzen für die Beamten unumgänglich.

An dieser Stelle möchten wir betonen, dass wir die Arbeit mit Ihnen als äußerst konstruktiv und produktiv empfinden. Außerdem haben sie Teile der Fragen bereits in persönlichen Gesprächen beantwortet. Wenn Sie also ein weiteres Treffen mit uns wünschen, müssen auch die oben genannten Punkte diskutiert werden und die Antworten darauf veröffentlicht werden. Bevorzugen würden wir aber weiterhin ein proaktives Handeln Ihrerseits und eine öffentliche Stellungnahme der Polizei Brandenburg zu den von uns aufgeworfenen Fragen.

Freundliche Grüße

Fanbeirat Babelsberg

Protokoll vom 15.02.2017

Anwesend: Sophia, Lutz, Max H., Max A., Yvonne, Jeetze, Roman

Tagesordnung
1. Mailadresse / Konto / Infoflyer
2. Gedenkstättenfahrt
3. Nachspiel Luckenwalde
a. Gesprächsangebot POM Karsten Schiewe
b. Interview mit Christian Lippold
c. Offenes Schreiben an Hans-Jürgen Scharfenberg
d. Veranstaltung zum Thema Traumatisierung
4. Sicherheitsgespräch Jena/Leipzig/Cottbus / RL-Sicherheitskonferenz
5. Fanladenplenum / Fanprojekt
6. Interviewanfrage TAZ
7. Überarbeitung Verbotsschild
8. Sonstiges / nächstes Treffen

zu 1.: Mailadresse / Konto / Flyer
Nachdem einige Mailanbieter aussortiert werden mussten, richtet sich der Fanbeirat nun einen neuen Mailaccount bei Systemli ein. Verantwortlich: Max A. (bis 26.02.)
Der Fanfonds wurde auf ein neues Konto bei der Norisbank transferiert. Für die Zeit, in der Yvonnenicht da ist, übernimmt Roman die Verwaltung des Fanfonds. Um wieder regelmäßig um Spenden werben zu können, soll es demnächst einen neuen Infoflyer für Fanbeirat und Fanfonds geben.
Verantwortlich für Gestaltung des Flyers: Max H. (Präsentation am 15.03.)
Verantwortlich für den Text: Jeetze (bis 05.03.)

zu 2.: Gedenkstättenfahrt am 05.03.2017
Der Fanbeirat veranstaltet zusammen mit dem Fanprojekt wieder eine Gedenkstättenfahrt nach Sachsenhausen. Die Teilnahme ist kostenfrei. Anmeldeschluss ist der 27.02. Zur Fahrt mit Führung vor Ort am 05.03. gibt es ein Vorbereitungstreffen am 02.03. im Fanladen mit dem Film „Die Fälscher“. Die Fahrt wird dann mit dem Bus gemacht. Dafür gibt es einen Treff am Lutherplatz in Babelsberg (10.45 Uhr) und einen an der ZOB/Messedamm-Bushaltestelle in Berlin (11.15 Uhr). Die Kosten für den Bus (416 Euro) wurden beim „Tolerantes und Sicheres Potsdam“ (ToSiP) beantragt. Die Antwort steht noch aus. Wenn keine Finanzierung durch ToSiP möglich ist, übernehmen Fanfonds und Fanprojekt die Finanzierung.
Verantwortlich für Organisation: Yvonne & Roman

Zu 3.: Nachspiel Luckenwalde

a) Gesprächsangebot POM Karsten Schiewe
Der Fanbeirat hat eine Antwort an POM Karsten Schiewe zu seinem Gesprächsangebot geschrieben, bei welchem es um die gegenseitige Darstellung der Arbeitsweisen gehen sollte. Da es seitens des Fanbeirats neben den regelmäßigen Sicherheitsberatungen vor der Saison, welche die im Angebot unterbreiteten Themen bereits beinhalteten, und vor allen Heimspielen keinen Bedarf an einem weiteren Austausch gibt, lehnen wir das Angebot ab. Dem Schreiben sind weiterhin Forderungen und offene Fragen aus der Nachbereitung zu Luckenwalde beigefügt.
Verantwortlich für Veröffentlichung: Max H. (bis 28.02.)

b) Interview mit Christian Lippold
Der Sicherheitsbeauftragte des SV Babelsberg 03 hat angeboten, nochmal in einem Interview für den Ultra Unfug Stellung zu den Vorfällen in Luckenwalde und deren vereinsinterne Nachbereitung zu nehmen. Für das Interview soll ein Fragenkatalog erarbeitet werden.
Verantwortlich für Fragenkatalog: Max H. (bis 15.03.)
Verantwortlich für Interview: Max H.

c) Offenes Schreiben an Hans-Jürgen Scharfenberg
Der innenpolitische Sprecher der Partei Die Linke im Landtag Brandenburg H.-J. Scharfenberg hat sich bisher nicht zu unseren Fragen im Offenen Brief an ihn geäußert. In diesem wollten wir wissen, woher er die Information, welche wir der Presse entnehmen konnten, hat, dass das Verhältnis zwischen Fans und Polizei sich entspannt habe. Der Fanbeirat wird nochmal um Antwort bitten.
Verantwortlich für ein neues Schreiben: Roman (bis 28.02.)

d) Veranstaltung zum Thema Traumatisierung
Im Anbetracht der Tatsache, dass die Polizeigewalt in Luckenwalde mit hoher Wahrscheinlichkeit Traumatisierungen verursacht hat und es bei möglichen Begegnungen mit den gleichen Beamten bei nun stattfindenden Spielen zu Retraumatisierungsprozessen kommen kann, plant der Fanbeirat in Zusammenarbeit mit dem Fanprojekt und der Initiative nur03* eine Veranstaltung zu diesem Thema. Im Vorfeld soll gemeinsam mit den Sozialarbeiter*innen die Bedeutung einer solchen Veranstaltung herausgearbeitet werden. Ziel ist es, zukünftig ein Netzwerk aufzubauen, welches in solchen Extremfällen schneller reagieren kann. Christian Lippold hat uns bereits die kostenfreie Nutzung der Räumlichkeiten im Karli zugesagt.
Verantwortlich für Planung: Jeetze (Vorstellung erster Ideen am 15.03.)

zu 4.: Regionalliga-Sicherheitskonferenz / Sicherheitsgespräche Jena/Leipzig/Cottbus
Christian Lippold berichtete kurz über die Sicherheitskonferenz des NOFV. Demnach sei es bei Babelsberg 03 in der Hinrunde zu keinen Vorkommnissen gekommen. Bei allen Vereinen der Liga gebe es derzeit 16 Stadionverbote. Insgesamt wurde aufgrund der neu hinzugekommenen Vereine eine erhöhte Präsenz von Gewalt wahrgenommen. Das Spiel gegen Jena wurde bekanntlich abgesagt. Der Nachholtermin ist noch nicht bekannt. Die Planungen für das Spiel behalten allerdings ihre Gültigkeit. Heißt:

Sicherheitsstufe: gefährdet (Stufe 2 von 3)
Gästefans: ca. 600
Insgesamt: ca. 2500-3000 Zuschauende
Dennoch ist die Mitnahme sämtlicher Fanmaterialien sowohl im Heim- als auch im Gästebereich gestattet. Der Ausschank von Vollbier ist genehmigt.

Beim Auswärtsspiel in Leipzig wird es keine Tageskasse geben. Die Tickets müssen im Vorfeld im Fanshop erworben werden. Das Spiel ist als Sicherheitsspiel eingestuft (Stufe 3 von 3), daher wird es einen eingeschränkten Alkoholausschank (Leichtbier) im Stadion geben. Sämtliche Banner und andere Fanmaterialien bedürfen einer vorherigen Anmeldung. Der Verein FC Lokomotive Leipzig hat es untersagt, Materialien mit politischen Symbolen im Stadion zu tragen oder zu verwenden. Da diese Aussage sehr viele Fragen aufwirft, hat das Fanprojekt nachgefragt. Weitere Infos erfolgen ebenso über das Fanprojekt.

Das Spiel gegen den FC Energie Cottbus soll am Freitag, den 28.04.2017, um 18 Uhr stattfinden. Es handelt sich nach Einschätzung von Vereinen und Polizei ebenfalls um ein Sicherheitsspiel (Stufe 3 von 3). Eine ursprünglich zur Disposition gestellte Reduzierung des Gästekartenkontingents wird es nicht geben. Die Polizei will dieses Mal davon absehen mit Meldeauflagen und Aufenthaltsverboten zu agieren, wie es in der Vergangenheit durchaus der Fall war. Im März und April sind zwei weitere Sicherheitsgespräche in Vorbereitung auf das Spiel geplant.

zu 5.: Fanladenplenum / Arbeitsverhältnisse im Fanprojekt
Alle nutzenden Gruppen des Fanladens wurden verpflichtet, die Hausordnung zu achten und durchzusetzen. Der Fanbeirat als Nutzer*in verwaltet nun einen eigenen Schlüssel, welchen Jeetze übernimmt. In der kürzeren Vergangenheit kam es immer wieder zu sehr kurzfristigen Vertragsverlängerungen mit den Mitarbeiter*innen des Fanprojekts seitens des Trägers, der Stiftung SPI. Für eine solide Planung ist allerdings ein frühzeitiges Wissen über die Länge der Arbeitsverhältnisse vonnöten, um auch langfristig angelegte Projekte sicher in Angriff nehmen zu können. Der Fanbeirat spricht sich prinzipiell gegen die Befristung von Arbeitsverhältnissen im Fanprojekt aus und möchte dies auch dem Träger gegenüber so kommunizieren.
Verantwortlich für ein Schreiben an die Stiftung SPI: Sophia (bis 15.03.)

zu 6.: Interviewanfrage TAZ
Eine Interviewanfrage der TAZ zum Thema „Wie man andere Menschen besonders gut motivieren und mitreißen kann“ hat der Fanbeirat in Rücksprache mit einer Person aus der Fanszene an diese weitergeleitet.

zu 7.: Überarbeitung Verbotsschild / Weiterbildung Ordnungsdienst
Im Zuge der Informationsveranstaltung „Versteckspiel“ im Dezember 2016 gab es die Überlegung, die Verbotstafel, die Teil der Hausordnung im Karli ist, zu überarbeiten. Jeetze hat dafür den Kontakt zu einem alten Fanbeiratsmitglied, welches an der Erstellung mitgewirkt hat, hergestellt und versucht so die Datei zu bekommen, um sie zu überarbeiten. Seitens des Ordnungsdienstes gab es einen erhöhten Bedarf an einer weiteren Veranstaltung solcher Art, um weitere Ordnungskräfte zu schulen. Inwiefern dies schon stattgefunden hat oder inwiefern sie bei der Organisation Hilfe benötigen, entzieht sich derzeit der Kenntnis und muss in Erfahrung gebracht werden.
Verantwortlich für Überarbeitung: Jeetze (bis 15.03.)
Verantwortlich für Infos von Ordnungsdienst: Yvonne (bis 12.04.)

zu 8.: Sonstiges / Nächstes Treffen
Terminankündigung: 26.02. 19.30 Uhr KvU heute-Show, 20.00 Uhr Ultras unter Druck – Dokumentation.
Die Fanbeiratswahl 2017 soll nach Vorstellung des jetzigen Fanbeirats entweder am letzten Heimspieltag gegen Auerbach (mit Bewerbung bis Cottbus) oder zum zweiten Heimspieltag der neuen Saison (mit Bewerbung bis zum ersten) stattfinden. Die Entscheidung soll bis Mitte März in Absprache mit dem Fanprojekt und der noch zu bildenden Wahlkommission getroffen werden.
Das nächste Treffen des Fanbeirats findet am 15.03.2017 um 19 Uhr im Fanladen statt.

f.d.R.

Roman

 

 

Protokoll vom 14.12.2016

Anwesend: Jeetze, Yvonne, Max H., Max A., Roman
Abwesend: Lutz, Sophia

Tagesordnung
1. Mailadresse
2. 15 Jahre Fanprojekt
3. Gedenkstättenfahrt
4. Infoveranstaltung “Versteckspiel” (Marken und Codes der extremen Rechten)
5. Nachspiel Luckenwalde
6. Sonstiges

1.) Mailadresse

  • Posteo kostet Geld
  • Systemi, ähnlich wie riseup / Max H.
  • Doppelseitigen infoflyer zum Rückrundenstart, mit den fanbeirats Kontaktdaten und Infos zum fanfond

2.) 15 Fanprojekt

  • War ne schöne Veranstaltung die gut zum vernetzen und Einblick in unser Tätigkeitsfeld geben

3.) Gedenkstättenfahrt

  • Wurde aufgrund fehlender Anmeldungen ins neue Jahr verschoben
  • Zu wenig Werbung
  • Den/Die Themenschwerpunkte spezifischer angeben
  • Vor der Fahrt soll es für die interessierten einen Themenabend vorab geben
  • Auch im Nachgang wird es ein Treffen mit den dran teilgenommen Personen geben vllt mit anschließendem Zeitzeugen Gespräch / Roman + Yvonne

4.) Infoveranstaltung „Versteckspiel“

  • Hat die teilnehmenden Personen gut gefallen
  • Es haben fünf unserer vereinsinternen Ordnungsdienst daran teilgenommen, diese äußerten den Wunsch nach einer Art Schulung zu dem Thema / Fanprojekt
  • Stadionordnung aktualisieren / Jeetze
  • Orga mit dem Verein war an dem Abend nicht sehr löblich z.B. bei der Frage der Getränke Bereitstellung (keine Kommunikation)

5.) Nachspiel Luckenwalde

  • Carsten Schiewe bot ein Gespräch an, wir werden dies aber nicht annehmen da es unwahrscheinlich ist in diesem in unserem Interesse etwas zu erreichen
  • Interview mit Herrn Lippold, fand indirekt bereits im fanforum statt, Nur03 hat dazu Stellung genommen, allerdings bisher ohne Reaktion
  • Fragen für ein Interview sollen formuliert werden

6.) Sonstiges

  • die Mauer ist offen! Schöne Winterpause allen!

i.A. Jeetze

Gedenkstättenfahrt am 05.03.2017

sachsenhausen

Der Fanbeirat Babelsberg und das Fanprojekt laden zur Gedenkstättenfahrt nach Sachsenhausen am 5. März ein.

Um die Fahrt möglichst entspannt zu gestalten, haben wir für die An- und Abreise einen Bus organisiert.

Termine:
Do, 2. März – 18 Uhr – Fanladen – Vorbereitungstreffen (thematische Einführung und Filmvorführung)
So, 5. März – Treff: 10:45 Lutherplatz – 11:15 ZOB Berlin
Gedenkstättenbesuch mit Führung und frei gestaltbarer Zeit
Do, 9. März – 18 Uhr – Fanladen – Nachbereitungstreffen

Anmeldungen bis zum 27. Februar entweder über FB, per Email ans Fanprojekt (fanprojekt-babelsberg[ät]stiftung-spi.de) oder persönlich im Fanladen.

Offener Brief an Hans-Jürgen Scharfenberg (LINKE)

Sehr geehrter Herr Scharfenberg,

mit großer Verwunderung haben wir Ihre Äußerung in der Märkischen Allgemeinen vom 04.11.2016 vernommen. Dort behaupten Sie, dass sich das „Verhältnis zwischen Polizei und Babelsberg-Anhänger(n) offenbar wieder verbessert“ (1) hat.

Uns als Fanbeirat Babelsberg – ein durch die Fans des SV Babelsberg 03 gewähltes Gremium zur Interessenvertretung – stellt sich die Frage, wie Sie zu dieser Einschätzung gelangen? Unseres Wissens nach haben Sie weder aktiv Kontakt zu uns als Vertretung noch zu Fangruppen des Vereins gesucht. Dies ist umso bemerkenswerter, da die politische Aufarbeitung der Polizeigewalt beim Pokalfinale in Luckenwalde weiterhin mangelhaft ist. Alles in allem sind wir über Ihre anscheinend aus der Luft gegriffene Äußerung enttäuscht.
Sehr gern wiederholen wir aber auch nun unser Angebot, Ihnen und dem Innenausschuss des Landes Brandenburg unsere Aufarbeitung persönlich vorzustellen.

Sie erreichen uns per Mail unter fanbeirat_babelsberg@arcor.de.

Mit freundlichen Grüßen
Fanbeirat Babelsberg

(1) http://www.maz-online.de/Brandenburg/Pokalfinale-Polizisten-haben-Vorschriften-missachtet

Zur Aufarbeitung der Ereignisse in Luckenwalde durch die Polizeidirektion West

Am 13. Oktober, einen Tag nachdem das Landeskriminalamt Eberswalde eine Öffentlichkeitsfahndung nach einem vermeintlich schwerverletzten Babelsberg-Fan startete, erhielt der SV Babelsberg 03, der Fanbeirat und das Fanprojekt Babelsberg einen Brief vom Polizeidirektor der Polizeidirektion West Karsten Schiewe (pdf Kopie des Briefes). Darin äußert sich erstmals relativ ausführlich, aber leider informell ein leitender Beamter zum Dossier „28. Mai 2016 – Polizeigewalt in Luckenwalde“ sowie zur Demonstration in Erinnerung an die „Schande von Luckenwalde“ am 7. Oktober 2016 vor dem Achtelfinale im Brandenburger Landespokal.

Der Fanbeirat ist ein aus der Fanszene gewähltes Gremium, welches sich als Ansprechpartner für die Fans, den Verein und die Behörden versteht. Auch wenn wir Fans des SVB sind und unser Beirat verschiedene Fan-Gruppen vertritt, möchten wir darauf hinweisen, dass wir nicht für alle Fans sprechen können. Genauso wenig stehen wir für alle Betroffenen von Gewaltverbrechen sowie die Traumatisierten beim Pokalfinale in Luckenwalde. Wir haben uns deshalb entschieden, da im Brief von PD Schiewe explizit die „Fans des SV Babelsberg 03“ angesprochen wurden, den Betreffenden das Schreiben nicht vorzuenthalten und veröffentlichen es hiermit.

Bereits in der Vergangenheit zeigte sich PD Schiewe gesprächsbereit, wollte sich zu konkreten Vorfällen in Luckenwalde allerdings nicht äußern. Nun nimmt er erstmals Bezug darauf, hält aber weiterhin an den diffamierenden und zu hinterfragenden Behauptungen fest. Dabei sind diese durch das Dossier und vor allem durch die ebenfalls veröffentlichte Video-Dokumentation der Polizeigewalt eindeutig widerlegt. Daher möchten wir dem Brief von PD Schiewe unseren Kommentar voranstellen. Außerdem wollen wir unsere im Dossier formulierten Forderungen um vier weitere Punkte ergänzen und so auf die aktuellen Entwicklungen Bezug nehmend konkretisieren.

  1. Wir erwarten von der Polizei Brandenburg, dass endlich die Zahlen zu den verletzten Fans überprüft und korrigiert werden. Es muss endlich anerkannt werden, dass es eine sehr viel höhere Zahl an durch Reizgas verletzte Personen sowie einige schwerverletzte Fans gab. Die Öffentlichkeitsfahndung nach einem vermeintlich schwerverletzten Fan bestätigt diese indirekte Korrektur der Zahlen bereits. Hier fehlt aber eine explizite und öffentliche Entschuldigung für die Verbreitung falscher Zahlen und Korrektur derselben.
  2. Wir fordern weiterhin, dass die Polizei auf den Einsatz von Reizgas im Stadion und in großen Menschenmengen verzichtet. Die Ereignisse in Luckenwalde beweisen erschreckend, dass beim exzessiven Einsatz von Reizgas zwangsläufig eine sehr große Zahl von Menschen betroffen ist und so Panik, Angst und Traumatisierungen bewusst riskiert werden. Der Einsatz steht deshalb in keinem Verhältnis zum Ziel, ist durch nichts zu rechtfertigen und sollte deshalb unterlassen werden.
  3. Wir weisen erneut nachdrücklich darauf hin, dass in Luckenwalde dutzende Menschen nicht nur verletzt, sondern auch traumatisiert wurden. Dies beweisen die bekannten offenen Briefe sowie die zahlreichen Augenzeugenberichte, die vor allem die Panik, die Angst und die Verzweiflung der Fans schildern. Hierbei ist zu beachten, dass jene Fans, die weiterhin zum Fußball gehen, an jedem Spieltag durch den Anblick gepanzerter und uniformierter Bereitschaftspolizisten an die vermummten Gewaltverbrecher in Luckenwalde erinnert und so womöglich re-traumatisiert werden können. Aus diesem Grund erwarten wir von der Polizei Brandenburg die traumatisierten Betroffenen endlich als Teil der Opfer von Polizeigewalt zu betrachten. Damit muss ausdrücklich eine Änderung im Verhalten gegenüber den Fans einhergehen. Dazu gehört zunächst diese Gruppe Betroffener explizit zu benennen, in den Einsatzbesprechungen dieses Thema zu reflektieren sowie auf re-traumatisierendes Verhalten im Umgang mit den Babelsberg-Fans zu verzichten.
  4. Wir wollen endlich wissen, gegen wie viele Beamte genau und wegen welcher Straftatbestände ermittelt wird. In bilanzziehenden Presseerklärungen wird regelmäßig nach Fußballspielen veröffentlicht, gegen wie viele Personen auf Grundlage welcher vermeintlicher Straftaten vorgegangen wurde. Im Zusammenhang mit den Vorwürfen gegen Polizisten fehlen diese Angaben. Es ist deshalb völlig unklar, ob auch gegen jene Beamte ermittelt wird, die exzessiv und durch nichts gerechtfertigt Reizgas versprüht haben. Darüber hinaus ist nicht bekannt, ob die gewalttätigen Beamten, die so viele Fans verletzt und traumatisiert haben, weiterhin im Einsatz sind und eventuell auch bei Spielen des SV Babelsberg 03 eingesetzt werden. Das heißt, bei jedem Kontakt mit Bereitschaftspolizisten müssen die Fans davon ausgehen, dass sie erneut mit jenen Beamten konfrontiert sind, die sie in Luckenwalde verprügelt und mit Reizgas eingesprüht haben. Für eine echte Aufarbeitung sind Informationen zu den Tatbeständen, den daraus folgenden Ermittlungen sowie mögliche Konsequenzen für die Beamten unumgänglich.

Kommen wir nun zum Inhalt des Briefs selbst und den darin enthaltenen, weiterhin aufrechterhaltenen, widerlegten beziehungsweise problematischen Behauptungen.

PD Schiewe beschreibt ausführlich, dass „auch nichtpolizeiliches Foto- und Videomaterial […] in einem wirklich immensen Umfang gesichtet und ausgewertet“ wurde. Interessant ist hierbei nicht der Hinweis, dass dies „unter objektiven Gesichtspunkten durchgeführt“ wurde, sondern dass die Polizeidirektion West und damit die Direktion, der die betreffenden Beamten und mutmaßlichen Gewaltverbrecher zugeordnet sind, für die Sichtung, die Analysen und Auswertungen verantwortlich waren. Dass „nichts unter den Tisch gekehrt“ wurde, mag für PD Schiewe selbstverständlich sein. Es bleibt aber auch aufgrund der Intransparenz zumindest ein fader Beigeschmack, da schließlich die Institution der mutmaßlichen Täter die volle Kontrolle über das Material und die Ermittlungen hat. Diese Praxis, egal wie objektiv sie auch sein möge, muss dringend überdacht werden. Im Ergebnis sollte, wie wir es in unseren Forderungen bereits formuliert haben, eine externe und vor allem unabhängige Vertrauensstelle für Beschwerden gegen polizeiliches Handeln eingerichtet werden.

Nicht minder bedenklich ist in diesem Zusammenhang auch der süffisante Hinweis, dass es für die gesetzeswidrige Vermeidung der Kennzeichnung „nachvollziehbare Gründe“ gegeben haben soll. Wir fragen uns, was diesen offenbar bewusst begangenen Rechtsbruch rechtfertigen könnte. Fatal ist hierbei übrigens auch, welche Respektlosigkeit gegenüber den Gesetzen im Allgemeinen und dem Polizeigesetz im Besonderen zu Tage tritt. Schließlich ist es die Grundlage polizeilichen Handelns und vor allem des in Luckenwalde exzessiv ausgeübten Gewaltmonopols des Staates. Im Grunde sollte gegen jene, die den Verzicht auf die Kennzeichnung angeordnet, toleriert und schließlich gerechtfertigt haben, aufgrund eines besonderen öffentlichen Interesses ebenfalls ermittelt werden.

Bezüglich des exzessiven Einsatzes von Reizgas gegen Fans bedauert PD Schiewe zwar, dass auch „Unbeteiligte durch die Reizstoff-Einwirkung betroffen waren“, betont aber, dass „der Einsatz des Reizstoffes zielgerichtet nur gegen Fans erfolgte, die durch ihr Handeln Rechtsbrüche begangen haben bzw. unmittelbar zur Schädigung herausgehobener Rechtsgüter ansetzten“. Worin diese Rechtsbrüche genau bestanden haben und welche schützenswerten Rechtsgüter verletzt worden sein sollen, wird nicht genannt. Genauso wenig wird erklärt, dass auch in unmittelbarer Nähe von Versorgungspunkten der Verletzten Reizgas eingesetzt wurde. Welchen Rechtsbruch haben diese Personen begangen? Darüber hinaus stellt sich die Frage, wenn nur zielgerichtet „Reizstoff“ eingesetzt wurde, warum so viele – das Fanprojekt zählte 128 durch Reizgas verletzte Fans – „Unbeteiligte“ betroffen waren. Ist der Einsatz dementsprechend nicht grundsätzlich zu hinterfragen, wenn vor allem in großen Menschenmengen nicht verhindert werden kann, dass sehr viele Unbeteiligte verletzt werden können?

In einem längeren und umfangreichen Absatz lobt PD Schiewe die intensive, konstruktive sowie offene und transparente Zusammenarbeit zwischen Verein, Fans und Polizei. In Bezug auf Spiele in Babelsberg mag dies sicher zutreffend sein. Bezogen auf die Vorfälle in Luckenwalde scheint hier aber der Wunsch eher als die Realität der Vater des Gedankens zu sein. Schließlich gab und gibt es bis heute keine öffentliche Aufarbeitung der Polizeigewalt in Luckenwalde. Von Offenheit und Transparenz kann mitnichten die Rede sein. Eine Zusammenkunft zwischen Vertretern des Vereins, der Fans und der Polizei außerhalb der Saisonvorbereitungs- und Sicherheitsgespräche vor den Spieltagen hat zu keinem Zeitpunkt stattgefunden. Die Polizei, der Fußball-Landesverband Brandenburg (FLB) und die Vereine haben ihre die Babelsberg-Fans diffamierende Erklärung vom 31. Mai 2016 bis heute nicht revidiert.

Die Ereignisse müssen fünf Monate nach der „Schande von Luckenwalde“ schonungslos aufgearbeitet werden – ohne untaugliche Relativierungen. Informelle Gespräche und Ankündigungen durch die Polizei und Verantwortliche des SV Babelsberg 03 sind angesichts der schockierenden Vorkommnisse und den nicht abzusehenden Nachwirkungen unzureichend. Wir möchten deshalb erneut an beide Vereine, den FLB und auch an die Polizei appellieren, endlich Verantwortung für den durch nichts zu rechtfertigenden Angriff auf Nulldrei-Fans zu übernehmen.

Der „Fanbrief“ liegt nur als pdf-Dokument vor und kann hier nachgelesen werden.

  Unsere Reaktion kann als pdf-Dokument hier heruntergeladen werden.

Protokoll vom September/Oktober 2016

Anwesend: Max A, Max H., Jeetze, Yvonne, Lutz, Roman

Abwesend: Sophia-Marie

Gäste: Flo & Bastian vom Fanprojekt für TOP 6

Tagesordnung
1. Sicherheitsbesprechungen
2. Ordnergespräch
3. Bankkonto & neue E-Mail Adresse
4. Neustrelitz Reportage
5. Veranstaltungen
5.1 Gedenkstättenfahrt nach Sachsenhausen
5.2 Infoveranstaltung zu Nazi-Codes
5.3 Lesung mit Christoph Ruf (Autor: Kurven Rebellen)
6. Fanprojekt

 

1. Sicherheitsbesprechungen

  •  Bis zum DFB Pokalspiel war alles wie abgesprochen, Einladungen und Protokolle wurden umher geschickt
  • für die letzen Spiele keine Einladungen —> Kontakt zu Chrischan wurde aufgenommen
    —> Chrischan war im Urlaub, jetzt läuft wieder alles wie geplant
  • können zukünftig die Protokolle von den Sicherheitsbesprechungen auf den Fanbeiratsblog hochgeladen werden? —> Nein, nur Zusammenfassungen in eigenen Worten

 

2. Ordnergespräch

  • Maik D. möchte zu den Spielen bei Hertha II und in Cottbus die Fans zusammen mit anderen vereinseigenen Ordern begleiten —> Ziel: Deeskalation am Einlass —>
  • Beiderseitiger Wunsch: Treffen am 27.10. (Do) —> Verhältnis zwischen Maik und einigen Fangruppen ist weiterhin angespannt —> Deswegen Treffen zwischen Delegierten der Fangruppen, Fanbeirat, Chrischan und Maik.

 

3. Bankkonto & neue E-Mail Adresse

  • Der aktuelle Fanbeirat eröffnet ein übertragbares Gruppenkonto bei der Norisbank
  • Dieses kostet 2€ im Monat —> Soll aus Spenden finanziert werden —> Zur Not aus eigener Tasche der Mitglieder
  • Ziel des Kontos: Spenden sammeln —> Zur Finanzierung von Veranstaltungen & Fahrten
  • Des Weiteren: Einrichtung einer neuen E-Mail Adresse bei Posteo —> Bei Arcor kommt zu viel Spam, zudem schlechter Spamfilter
  • Relaunch geplant: Flyer mit den Informationen zum Konto & E-Mail Adresse

 

4. Neustrelitz Reportage

  • Zum Spiel nach Neustrelitz begleitete uns der freie Journalist Thilo Schmidt —> er drehte für die Radiosendung »Flanke von Rechts. Radikale am Spielfeldrand« auf Deutschlandradio Kultur eine Reportage
  • dazu befragte er Max H. zu seinen Erlebnissen als linker Fußballfan in der Regionalliga
  • Nachzuhören ist dies hier: http://www.thiloschmidt.de/admin/files/flanke.mp3
  • ab 09:04 wird über Babelsberg berichtet

 

5.1 Gedenkstättenfahrt nach Sachsenhausen

  • Wir haben jetzt den 27.11. (Sonntag) festgehalten, der Spielplan soll wohl fest bleiben und nicht nochmal geändert.
  • Christian R. hatte sich mal angeboten dort eine Führung zu machen
  • am 24.11. im Fanladen Vorbereitung auf die Fahrt, evtl Themenschwerpunkte festklopfen, emotionale Vorbereitung ( übernimmt das Fanprojekt)
  • Nachbereitung dazu wahlweise am 28.11. direkt der Montag danach oder am 8.12.
  • Fahrt soll offiziell übern Fanbeirat laufen, damit kein Mehraufwand fürs Fanprojekt entsteht
  • wenn sich extrem viele Leute aus der Kurve anmelden, wollen wir 2 Gruppen machen, als zweiter Referent könnten wir Zack ansprechen, hatte ihn dazu schonmal grob interviewt
  • wir fahren mit der S-Bahn

 

5.2 Infoveranstaltung zu Nazi-Codes

  • Termin: 08.12  Infoveranstaltung zu Nazicodes im Vip Raum des KarLi

 

5.3 Lesung mit Christoph Ruf (Autor: Kurven Rebellen)

  • Termin: Anfang des neuen Jahres

 

6. Fanprojekt

  • Das Fanprojekt wird dieses Jahr 15 Jahre
  • Geburtstagsfeier am 01.12. (Do) um 13 Uhr im VIP Raum des Karli (Offizielle Veranstaltung)
  • Fanprojekt wünscht sich Teilnehmer des Fanbeirats —> keepin’ it real & und der Fanbeirat kann Chance nutzen, um Kontakte zu knüpfen
  • am Spieltag selbst: Wunsch des Fanprojekts ist eine gemeinsame Feier mit Fans
  • Fanprojekt plant Herausgabe eines Heftes anlässlich des Jubiläums —> Dokumentation der eigenen Arbeit —> Bittet Fanbeirat und andere aktive Fans um Mithilfe —> Schreiben eines Grußwortes & Verschriftlichung anderer denkwürdiger Erlebnisse mit Bezug auf das Fanprojekt

 

i.A. Yvonne & Max H.