Was vom Tage übrig blieb.

Liebe Fans des SV Babelsberg 03,

in der letzten Zeit ist es recht ruhig um uns geworden. Dies hat zum einen die allgemeine Lethargie zum Ende der Legislaturperiode zur Ursache, aber ebenso einen Ausschluss der Einbeziehung des Fanbeirats in fanrelevante Themen seitens des Vereinsvorstands. Wie eine optimale Informationspolitik funktioniert, hat die Vereinsführung in den letzten Monaten zweifelsohne bewiesen. Zu nennen seien hier die Veröffentlichung der Auseinandersetzung mit dem Fachbereich 21 der Stadt Potsdam, wozu auch der Fanbeirat positiv Stellung bezog, sowie das rechtliche Kontra gegen die Urteile des Nordostdeutschen Fußballverbands. Es scheint geradezu so zu sein, dass die Öffentlichkeit lediglich in Themen, bei welchen wir auf einer Wellenlänge sind, gesucht wird. Unpopuläre Maßnahmen werden hingegen unter Ausschluss der Öffentlichkeit gefällt und ausgesprochen:

Eintrittspreise zum Landespokalhalbfinale gegen den FC Energie Cottbus

Eine für uns Fans unbedachte, intransparente und nicht nachzuvollziehende Maßnahme ist die Preisgestaltung für das Landespokalspiel gegen den FC Energie Cottbus sowie die völlig missratene Kommunikation zu eben jener. Nicht nur, dass der Vorstand in diesem Fall die Einbeziehung der Fans gänzlich außen vor ließ und schlichtweg Fakten schuf, nein, sie wählten hier Preise, die an bodenloser Frechheit kaum zu überbieten sind.

Die exorbitante Preiserhöhung betrifft vor allem die ermäßigten Tickets, bei denen sogar ein Preisaufschlag von über 100% zu verzeichnen ist. Der Aufschlag auf die sonst üblichen Preise im Karli ist ebenfalls vor dem Hintergrund eines Spiels, was am Anfang der Saison gar nicht kalkuliert worden sein kann und aus dem man im besten Fall mit klarem Plus herausgeht, nicht nachzuvollziehen. Sollte hier ein Minus zu befürchten gewesen sein, wäre dies in einer transparenten Kostenkalkulation sicher zu vermitteln gewesen. Allerdings sehen wir keinen großen Unterschied in sicherheitsrelevanten Kostenpositionen zu Liga-Spielen, wie gegen Magdeburg oder den BFC.

Andersartig ist da natürlich die anteilige Abgabenpolitik bzw. das Aufteilen der Einnahmen auf Verband und Gastverein zu beurteilen. Aber auch hierzu können wir hinsichtlich der praktizierten Kommunikationspolitik leider nur unser Unverständnis ausdrücken, da erst nach eindringlicher Mahnung in informellen Gesprächen sowie eines Boykott-Aufrufes seitens der Gästefans reagiert wurde und der Ansatz einer Erklärung veröffentlicht wurde.

Aus unserer Sicht haben wir immer – und werden dies auch zukünftig tun – Preisaufschläge in Form von Top- oder Sicherheitszuschlägen abgelehnt und finden, dass solch eine Praxis dem SV Babelsberg 03 auch nicht gut zu Gesicht steht. Verlässlichkeit wäre hier die vertrauensbildende Devise. Wir finden, dass die Eintrittspreise, welche mit Verlautbarungen, wie „mit den Füßen abstimmen“, bereits Anfang der Saison erhöht wurden und vor dem Hintergrund unserer Spielklasse, durchaus üppig sind und es einer zusätzlichen Erhöhung in keinem Fall bedurft hätte.

Wegfall des VBB-Tickets bei den Eintrittskarten

Bereits im Vorfeld der mittlerweile fortgeschrittenen Saison gab es Gespräche zwischen dem Vereinsvorstand und dem Fanbeirat bzgl. der Preisgestaltung von Eintrittskarten. Schon hier zeigte sich, dass wir und die offiziellen Gremienmitglieder des Vereins teilweise sehr unterschiedliche Meinungen bzgl. der Preisgestaltung hatten und wie das Cottbus-Spiel zeigt, auch weiterhin haben. Im Gegensatz zum Vorstandsvorsitzenden zeigten sich die anderen Vorstands- und Geschäftsstellenmitglieder auch an einer ergebnisoffenen Diskussion interessiert. Als ein Grund für die Preiserhöhung wurde seiner Zeit angegeben, dass den Stadionbesucher_innen durch das integrierte VBB-Ticket eine Preiserhöhung zugemutet werden könne. Dieser Argumentation wird der Boden unter den Füßen weggezogen, wenn das VBB-Ticket innerhalb der Saison von heut auf morgen abgeschafft wird. Dies ist bekanntermaßen vor einem Monat am 20.02.2015 passiert.

Im Nachhinein argumentiert der Vorstand mit einer vermeintlichen Umfrage, welche zumindest an uns – und anscheinend nicht nur an uns – vorbei gegangen ist (Mit Umfragen kennen wir uns bekanntlich aus). Der Vorstand(svorsitzende) argumentiert, dass Aufwand und Nutzen nicht mehr im Verhältnis zueinander stehen. Vorbei scheint also die Zeit, in der wir „Berlins geilster Fußballverein“ sein wollten. Fakt ist, dass zwar sehr viele Fans im Karli aus Berlin und dem Potsdamer Umlande kommen, diese mittlerweile allerdings auf gegenseitige Hilfe (Dauerkartenweitergabe) angewiesen sind, um regelmäßig Spiele unseres Teams besuchen zu können.

Letztlich war es auch ein Solidaritäts-Euro, den alle Stadionbesucher_innen für die Leute, die dieses Ticket benötigen, gezahlt haben. Mit dem Wegfall des VBB-Tickets werden v.a. die Berliner und aus dem Potsdamer Umland stammenden Stadionbesucher_innen, welche wir erfolgreich in den letzten Jahren geworben haben, einseitig belastet. Selbige geben pro Spieltag jetzt jeweils mindestens 6,60€ (Kosten für zwei Einzelfahrausweise Berlin ABC) mehr pro Spiel aus. Das finden wir beschämend!

Wir sind uns sicher, dass sich der bereits begonnene Rückzug auswärtiger Stadionbesucher_innen perspektivisch sehr negativ auf die Einnahmenseite des Vereins auswirken wird und wir gerade im Raum Potsdam Umland (Berlin) weniger Leute ansprechen werden. Warum wurden bei dieser weitreichenden Entscheidung nicht die Mitglieder befragt, welche sich bspw. für die Zahlung dieses Solidaritätszuschlages unter Beibehaltung des VBB-Tickets hätten aussprechen können?

Preiserhöhung des Stadionsheftes

Am 24.02.2015 kam über die Homepage die Info an alle Nulldreier_innen mit Internetzugang, dass ab sofort das Stadionheft nicht mehr 1,- € sondern 2,- € kosten wird. Dies wurde als „Preisanpassung“ deklariert. Das Heft könne nur weiter produziert werden, wenn der Preis angehoben wird, da sich die Druckkosten „durch gestiegene Energie- und Rohstoffpreise“ wesentlich erhöht haben.

Darüber hinaus sei dies auch für die Konsolidierung der Vereinskasse von Bedeutung. Viele Nulldreier_innen traten an uns heran und äußerten, dass sie durchaus bereit sind, 2,- € für dieses tolle, besondere und immer wieder preisgekrönte Heft zu bezahlen. Besondere Bewunderung bekommt hier immer wieder der Fakt, dass das Heft ausschließlich durch ehrenamtliche Redakteur_innen gestemmt wird. Auch für die Konsolidierung des Vereins fühlen sich viele mitverantwortlich und sind auch bereit, ihren Teil zu leisten. Für viele war dieser Schritt also nachvollzieh- und tragbar. Das Geld sei schließlich nicht verschwendet.

Kritik entstand dennoch. Der Zeitpunkt für die Erhöhung (denn als solche wird es wahrgenommen) sei unpassend gewählt worden. Es reihte sich in eine Menge von Veränderungen zu Lasten der Zuschauer_innen ein. Wäre der Schritt zu Beginn der Saison gegangen worden, hätten die Zuschauer_innen sicher mehr Verständnis gezeigt. Eine Erhöhung auf 1,50€ sei für viele sinnvoller, sensibler und nachvollziehbarer gewesen.

Für uns als Fanbeirat ist hier der springende Punkt, dass es eine weitere Intervention ist, welche in keiner Weise mit den Fans vorher besprochen, diskutiert bzw. evaluiert worden ist. Beteiligung – Fehlanzeige. Dabei hat die Fanszene wiederholt bewiesen, dass sie durchaus in der Lage ist schnell und effektiv Gelder zu akquirieren.

Zusätzliche Kameraüberwachung bei Sicherheitsspielen im Karl-Liebknecht-Stadion

Ebenso wurden wir von der Aufstellung einer Hebebühne mit Kameratechnik durch die Polizei zum Magdeburg-Spiel überrascht. Wie sich in einem informellen Gespräch am Rande der Sicherheitskonferenz zu den bevorstehenden Spielen gegen den BFC Dynamo und den FC Energie Cottbus am 19.03.2015 herausstellte, wurden die Grundlagen dafür bereits in einem Gespräch zwischen Vereinsvorstand und Polizei in der Hinrundenauswertung im Januar gelegt. Eine Information von Vereinsseite an den Fanbeirat, das Fanprojekt und die Fanszene blieb hier aus.

Für uns stellt das zusätzliche Aufstellen eines Hebebühnenfahrzeugs mit entsprechendem Equipment bei sicherheitsrelevanten Spielen einen erheblichen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte aller Stadionbesucher_innen dar. Weiterhin stellt sich uns die Frage der Sinnhaftigkeit, da bei den entsprechenden Spielen bereits Kameras der Polizei im Pufferblock L sowie auf dem feststehenden Turm auf der Tribüne in Block G vorhanden sind, ebenso wie die auf der Tribüne fest installierte Kamera im Block F. Über Jahre hinweg galt diese Ausstattung auch bei Risikospielen als ausreichend. Warum nun von dieser Sichtweise abgewichen wird, erklärt sich uns in keiner Weise. Zwar ist bekannt, dass die Polizei auch in den letzten Jahren probierte weitere Technik im Stadion zu installieren, allerdings konnte dies durch den seinerzeit amtierenden Fanbeauftragten mit Verweis auf das Hausrecht seitens des Vereins stets abgewiegelt werden.

Wie wir erfuhren, soll die gleiche Technik nun auch gegen den BFC und gegen Energie zum Einsatz kommen. Lediglich der Standort des Fahrzeugs steht zur Debatte und die Polizei prüft ein Versetzen mehr in Richtung Pufferblock.

Für uns ist das keine Alternative! Zunehmend müssen wir feststellen, dass trotz der auch durch die Polizei als ruhig eingestuften Hinrunde, ein Generalverdacht und eine Stigmatisierung gegenüber unserer Fanszene stattfindet. Dies können und wollen wir nicht billigen.

Was vom Tage übrig blieb

Alle genannten Maßnahmen führen in weiten Teilen der Fanszene zu einem Unverständnis, da sie ohne jegliche Rücksprachen getroffen wurden. Warum dies so geschah, bleibt wohl einzig und allein das Geheimnis des Vorstands.

In den vergangenen Monaten haben die geschilderten Vorgänge zu einer Entfernung zwischen Fanbeirat und Vereinsvorstand geführt, die es uns als gewähltes und vereinsunabhängiges Gremium erschwert haben, Einfluss auf Entscheidungen zu nehmen. In erster Linie fehlt uns die vielbeschworene Transparenz und Offenheit in der Kommunikation. Dies spiegelt sich in allen Bereichen wider und hinterlässt bei uns ein Unwohlsein mit der derzeitigen Situation.

Eine Fanvertretung muss, so es denn gewollt ist, die Stimmung innerhalb der Fanszene aufnehmen und von Vorstandseite in Prozesse einbezogen und gehört werden. Die Alternative dazu lässt uns sonst in Speer‘sche Verhältnisse zurückfallen, denen wir gemeinsam versucht haben, in den letzten Jahren entgegen zu wirken. Derzeit scheint die Basis dafür aber verloren.

Zum wiederholten Male fordern wir, dass „unser“ Vorstand zukünftig bei allen die Stadionbesucher_innen betreffenden Entscheidungen mindestens die Fanbeauftragten und den Fanbeirat in einem Dialog bei der Entscheidungsfindung beteiligt. Diese Form der direkten Kommunikation entspricht den Babelsberger Werten und ist für ein gegenseitiges Verständnis, besonders bei unpopulären Entscheidungen, unabdingbar.

Wir alle sind gewillt unseren Teil zu leisten. Auch uns ist die finanziell angespannte Situation bewusst und auch uns ist an einer Konsolidierung des Vereins gelegen. Daher ist es wichtig, dass der Vorstand endlich versteht, dass unsere Beteiligung nicht an- und ausschaltbar ist. Wir alle sind der Verein und (immer noch) bereit Verantwortung tragen.

Euer Fanbeirat