Stellungnahme des Fanbeirates zur Polizeigewalt nach dem Pokalsieg in Luckenwalde

Wut, Entsetzen, Machtlosigkeit!!! Das ist es, was anstatt unbändiger Freude über den Sieg nach dem Landespokalfinale bleibt. So oder so ähnlich geht es wohl allen Nulldreier*innen, welche am Samstag das Landespokalfinale im Werner-Seelenbinder Stadion in Luckenwalde besucht haben.
Es war eigentlich ein schöner Fußballnachmittag. In kürzester Zeit waren die Eintritts- und Buskarten im Vorfeld ausverkauft. Der Busshuttle von Babelsberg nach Luckenwalde funktionierte reibungslos. Der Gästeblock füllte sich mit ca. 1000 Babelsberg Fans. Während des Spielverlaufs gab es einige schöne Spielpassagen, welche letztendlich auch zum verdienten Sieg führten. Nulldrei hat es geschafft Landespokalsieger zu werden!

Die Ereignisse, die in den letzten Spielminuten und unmittelbar nach Abpfiff stattfanden, können und dürfen keineswegs unkommentiert bleiben! Wie kann es sein, dass das der emotional völlig nachvollziehbare Wunsch, mit der Mannschaft zu feiern, einen derartig unverhältnismäßigen und brutalen Polizeieinsatz auslöst.

„Wir wünschen uns alle, dass die Polizeikräfte lediglich durch Anwesenheit auffallen. Ein intensives Betreten des Platzes würde aber einen unverzüglichen Einsatz der Polizeikräfte auslösen. Mal abgesehen von der gesundheitlichen Schädigung, die ein Übersteigen dieses Zauns bei jedem einzelnen [sic!] auslösen dürfte.“, hieß es in einem Schreiben, welches der SV Babelsberg 03 wenige Tage vor dem Spiel veröffentlichte.

Davon abgesehen, dass das der Tatsache widerspricht, dass Nulldrei das Hausrecht für den Gästeblock hatte, ist es absolut inakzeptabel, dass vereinseigene Ordner die Polizei explizit „zur Hilfe“ riefen. Ganz klar ist hier festzustellen, dass keinerlei Bedrohungslage vorgelegen hat. Gegen Emotionen, und dem Wunsch der doch in den letzten Jahren arg gequälten Anhängerschaft, ihre Lieblinge zu feiern, ist doch der Wunsch des Landesverbandes nach „ungestörter Siegerehrung“ nachrangig.

Es entsteht der Eindruck, dass an dieser Stelle die überaus übertriebene Polizeimaßnahme billigend in Kauf genommen wurde. Es zuzulassen, dass sich direkt vor dem Gästeblock eine behelmte Polizeikette postiert und damit eine Droh- und Einschüchterungskulisse schafft war unnötig. Das Spiel verlief ohne jegliche Zwischenfälle oder Provokationen. In der Folge des Polizeieinsatzes waren dutzende, zum Teil schwer verletzte Personen zu beklagen. Es gab bewusstlose Fans, schwere Platzwunden und eine Reanimation. Die Rettungskräfte lösten eine sog. „Großlage“ aus, ein im Rahmen eines Fußballspiels selten oder nie dagewesener Vorgang. Resultat einer strafrechtlich relevanten Brutalität der Polizei. Erster Leitfaden eines jeden Polizeieinsatzleiters ist die Verhältnismäßigkeit der Mittel! In Luckenwalde haben sich unseres Erachten eine Vielzahl von Polizisten einer bislang noch nicht genau zu ermittelnden Anzahl von Straftaten schuldig gemacht.

Statt mit allen (unverhältnismäßigen) Mitteln das Betreten des Platzes zu verhindern, hätte ein Absichern der Heimseite völlig aus gereicht, um den einzig ernst zunehmenden Sicherheitsaspekt zu erfüllen. So hätten Ordnungskräfte beider Seiten mit einer geringen Anzahl an Beamten, einfach mit einer Kette den Platz, halbieren können, um damit beiden Teams und Fanlagern das gemeinsame und gebührende Feiern zu ermöglichen! Weshalb sich die Verantwortlichen für eine zur sicheren Eskalation führende Maßnahme entschieden und ein so übertriebenes und massives Polizeiaufgebot direkt vor der Gegengeraden stellten, ist uns ein verdammt großes Rätsel!

Wir fordern:

1. Ein klares Statement des Vereins, die das Vorgehen der Polizei deutlich missbilligt.
2. Unterstützung der Opfer durch den Verein.
3. Eine vorbehaltslose Aufarbeitung der Rolle der Sicherheitsdienstes, hier insbesondere der Handlungsweise des Einsatzleiters dieses Dienstes.

Der Fanbeirat wird sich am  Dienstag diesbezüglich mit dem Vorstand treffen.

Wir wünschen allen Verletzten, gute und schnelle Genesung. Ein Dank geht an die Rettungskräfte, die unverzüglich und engagiert den Betroffenen geholfen haben.
29.05.2016
Fanbeirat Babelsberg

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Ein Gedanke zu „Stellungnahme des Fanbeirates zur Polizeigewalt nach dem Pokalsieg in Luckenwalde

  1. Pingback: Fussball-Fan musste offenbar nach einem Polizeieinsatz reanimiert werden – fri.us.com

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