Offener Brief an PD Schiewe 23.03.2017

Sehr geehrter Herr Schiewe,

mit dieser E-Mail nehmen wir Bezug auf Ihr Gesprächsangebot, welches Sie uns im Rahmen der 15-Jahre-Feier des Fanprojekts im Dezember 2016 Feier unterbreiteten.
Wir möchten Ihnen mitteilen, dass wir uns entschieden haben, dieses Angebot nicht wahrzunehmen. Sofern wir Sie richtig verstanden haben, sollte es in dem Treffen inhaltlich um die Grundlagen ihrer polizeilichen und unserer ehrenamtlichen Arbeit gehen. Für diesen Austausch sehen wir momentan keinen Bedarf, da Sie uns die Grundlagen Ihrer Arbeit bereits bei der Sicherheitskonferenz in der Sommerpause 2016 erklärt haben. Wir haben diese verstanden, protokolliert und an die Fans weitergegeben. Allzu viel Grundsätzliches wird sich seitdem ja sicher nicht geändert haben. Die Grundlagen unserer Arbeit haben wir auf eben jener Feier dargelegt. Falls Sie dazu noch Fragen haben, zögern Sie nicht, uns im Rahmen eines der nächsten Sicherheitsgespräche anzusprechen.

Ein weiterer Grund für die Nichtteilnahme sind die immer noch nicht komplett öffentlich aufgearbeiteten Vorfälle vom Pokalfinale in Luckenwalde. Auch wenn wir es Ihnen hoch anrechnen, dass Sie als Einziger von Polizeiseite aus Stellung zu unserem Dossier nahmen – und das obwohl Sie beim Einsatz nicht einmal direkt beteiligt waren – haben wir einfach keine Lust mehr auf informelle Gespräche. Stattdessen fordern wir eine öffentliche Stellungnahme, gern auch in Form einer Pressemitteilung, die folgende offene Fragen klärt:

• Wir erwarten von der Polizei Brandenburg, dass endlich die Zahlen zu den verletzten Fans überprüft und korrigiert werden. Es muss endlich anerkannt werden, dass es eine sehr viel höhere Zahl an durch Reizgas verletzte Personen sowie einige schwerverletzte Fans gab. Die Öffentlichkeitsfahndung nach einem vermeintlich schwerverletzten Fan bestätigt diese indirekte Korrektur der Zahlen bereits. Hier fehlt aber eine explizite und öffentliche Entschuldigung für die Verbreitung falscher Zahlen und Korrektur derselben.

• Wir wollen endlich wissen, gegen wie viele Beamte genau und wegen welcher Straftatbestände ermittelt wird. In bilanzziehenden Presseerklärungen wird regelmäßig nach Fußballspielen veröffentlicht, gegen wie viele Personen auf Grundlage welcher vermeintlicher Straftaten vorgegangen wurde. Im Zusammenhang mit den Vorwürfen gegen Polizist*innen fehlen diese Angaben. Es ist deshalb völlig unklar, ob auch gegen jene Beamte ermittelt wird, die exzessiv und durch nichts gerechtfertigt Reizgas versprüht haben. Darüber hinaus ist nicht bekannt, ob die gewalttätigen Beamten, die so viele Fans verletzt und traumatisiert haben, weiterhin im Einsatz sind und eventuell auch bei Spielen des SV Babelsberg 03 eingesetzt werden. Das heißt, bei jedem Kontakt mit Bereitschaftspolizist*innen müssen die Fans davon ausgehen, dass sie erneut mit jenen Beamten konfrontiert sind, die sie in Luckenwalde verprügelt und mit Reizgas eingesprüht haben. Für eine echte Aufarbeitung sind Informationen zu den Tatbeständen, den daraus folgenden Ermittlungen sowie mögliche dienstrechtliche sowie strafrechtliche Konsequenzen für die Beamten unumgänglich.

An dieser Stelle möchten wir betonen, dass wir die Arbeit mit Ihnen als äußerst konstruktiv und produktiv empfinden. Außerdem haben sie Teile der Fragen bereits in persönlichen Gesprächen beantwortet. Wenn Sie also ein weiteres Treffen mit uns wünschen, müssen auch die oben genannten Punkte diskutiert werden und die Antworten darauf veröffentlicht werden. Bevorzugen würden wir aber weiterhin ein proaktives Handeln Ihrerseits und eine öffentliche Stellungnahme der Polizei Brandenburg zu den von uns aufgeworfenen Fragen.

Freundliche Grüße

Fanbeirat Babelsberg

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