Antwortschreiben der Stiftung SPI

Als Antwort auf unseren offenen Brief bezüglich der Personalpolitik im Fanprojekt Babelsberg hat der Fanbeirat nun ein Schreiben von der Stiftung SPI erhalten. In diesem bezieht der Geschäftsbereichsleiter Stefan Zaborowski Stellung zu der von uns geäußerten Kritik. Die komplette Antwort könnt ihr hier nachlesen. Auf drei Punkte möchten wir jedoch genauer eingehen

„In der Zuwendungslogik sind Arbeitsverträge immer zeitlich oder projektbezogen befristet.“ 

Allerdings besteht das Fanprojekt bereits seit dem Jahr 2001 und ein Ende ist nicht absehbar. Auch haben die meisten anderen Fanprojekte in Deutschland, die denselben Voraussetzungen unterliegen, durchaus festangestellte Mitarbeiter. Warum sind nicht wenigstens projektbefristete Verträge im Fanprojekt Babelsberg an der Tagesordnung? Auch die nun neu zu besetzende Stelle enthält eine Befristung bis zum 30.05.2018.

„Unsere langjährige Projektleiterin Tine Stern wurde aufgrund von Elternzeit befristet bis Ende April von Herrn Schlinck vertreten.“


An der Wahrheit dieser Aussage haben wir erhebliche Zweifel, weil sich die Stellenausschreibungen der SPI anders lesen. Da Bastian Schlinck im Juli 2015 begann im Fanprojekt zu arbeiten, wird das seine Ausschreibung gewesen sein:
Sozialpädagoge/Sozialarbeiter (aus paritätischen Gründen männlich)
zum 01.07.2015 für das Fanprojekt Babelsberg in Potsdam gesucht.

Die Stelle ist vorerst befristet bis zum 30.06.2016
Der Stellenumfang beträgt zunächst 25 Stunden/Woche.

Die tatsächliche Elternzeitvertretung Florian Franke hatte folgende Stellenausschreibung:

Dipl. Sozialarbeiterin/Dipl. Sozialpädagogin (aus paritätischen Gründen weiblich besetzt)
zum 01.03.2016 für das Fanprojekt Babelsberg in Potsdam gesucht. Die Stelle ist eine Elternzeitvertretung und vorerst befristet bis zum 31.03.2017.

Sehr geehrte Herr Zaborowski warum brauchte das Fanprojekt Babelsberg zwei Elternzeitvertretungen? Oder war es nicht tatsächlich so, dass Bastian Schlinck lediglich die Funktion der Projektleitung und nicht die Person Tine Stern an sich vertrat? Und wenn Ihnen diese Situation angeblich schon so lange bekannt war, warum schreiben Sie die offene Stelle erst jetzt zum 01.06.2017 aus?

„Die von Ihnen angesprochenen kommenden Spiele {BFC und Cottbus} werden durch das Fanprojekt selbstverständlich sozialpädagogisch betreut.“

Doch wie leistungsfähig kann diese Betreuung sein? Bereits getroffene Absprachen bezüglich der Risikospiele zwischen Bastian Schlinck, dem Verein und der Fanszene mussten kurzfristig neu abgeklärt werden. Darüber hinaus ist das für Fanarbeit notwendige Vertrauen „nicht nur von der jeweiligen Person abhängig, es ist im besonderen Maße auch ein langsam wachsender Entwicklungsprozess. Dieser Prozess ist geprägt durch gegenseitige Erfahrungen, besonders in schwierigen Situationen.“ (Stellungnahme des SV Babelsberg 03) Fanprojektmitarbeiter*innen können nich wie Triebwagen einer Bahn beliebig ohne „Leistungsverlust“ ausgetauscht werden. Somit ist der Zeitpunkt für eine derart radikale personelle Umstrukturierung natürlich mehr als unglücklich.

Sehr geehrter Herr Zaborowski, wir sind es Leid uns weiterhin Märchen von Ihnen erzählen zu lassen! Ihre Darstellung, die die Nichtverlängerung des Vertrages von Herrn Schlinck alltäglich aussehen lassen soll, ist wie oben begründet unglaubwürdig und in unseren Augen unehrlich. Was wollen Sie uns und der Öffentlichkeit verheimlichen?
Unsere Forderungen bleiben derweil die selben. Wir wünschen uns für die Mitarbeiter*innen des Fanprojekts Babelsberg unbefristete Arbeitsverträge. Außerdem möchten wir Ihnen bei der Auswahl der Mitarbeiter*innen mit unserer Expertise helfend zur Seite stehen. Lassen Sie uns gemeinsam die Vorraussetzungen für gute und verlässliche sozialpädagogische Arbeit in Babelsberg erhalten.

Fanbeirat Babelsberg

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„Fanbrief“ der Polizei Berlin zum Spiel beim BFC am 23.04.17.

Im folgenden werden wir den Fanbrief der Berliner Polizei zum nächsten Spiel beim BFC Dynamo am 23.04.17 dokumentieren. 

Sehr geehrte Fans und Freunde des SV Babelsberg 03,

am Sonntag, den 23. April 2017 werden Sie und Ihre Mannschaft im Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion anlässlich der Spielbegegnung gegen den BFC Dynamo zu Gast sein. Dazu heißt Sie die Polizei herzlich willkommen!

Um Ihre Sicherheit und ein friedliches Fußballfest zu gewährleisten werden wir mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern präsent sein und alle erforderlichen Maßnahmen treffen.

Ansprechpartner:

Wir pflegen bei uns in Berlin einen kooperativen und kommunikativen Umgang mit den Fußballvereinen und ihren Fans. Dies gilt für die Polizei und den Ordnungsdienst im und am Stadion gleichermaßen. Sollte es zu Problemen kommen, sprechen Sie uns, die Mitarbeiter des Ordnungsdienstes, Ihren Fanbeauftragten oder Mitarbeiter Ihres Fanprojektes einfach an. Wir stehen untereinander in Kontakt und sind bemüht, Missverständnisse zu klären, Konflikte zu vermeiden und zu lösen.

Anreise:

Um Rivalitäten der Fanszenen untereinander vorzubeugen und Auseinandersetzungen zu verhindern, wird bei dieser Spielbegegnung die Trennung der beiden Fanlager erforderlich. Daher ist die Anfahrt vom Alexanderplatz zum Stadion mit der U8 über die Bernauer Straße die für Sie bequemste und sicherste Anreiseroute ins Stadion. Vom U-Bahnhof Bernauer Straße aus können Sie dann die Straßenbahn (M10) bis zur Haltestelle Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark nutzen oder den Weg zu Fuß (ca. 1 km) zurücklegen.

Abreise:

Die für Sie sicherste Abreiseroute erfolgt analog der Anreise. Nutzen Sie daher die Straßenbahn (M10) bis zur Haltestelle Bernauer Str. oder legen Sie den Weg wahlweise zu Fuß (ca. 1 km) zurück. Dann fahren Sie mit der U8 in Richtung Alexanderplatz.

Von Fans, die im Anschluss an das Spiel, die Kultur- und Schankwirtschaft „Baiz“ an der Schönhauser Allee/ Wörther Straße aufsuchen wollen, ist der Weg über die Eberswalder Str. – Oderberger Str. – Schönhauser Allee – Wörther Str. zu nutzen, da aus Gründen der Fantrennung eine Abstrom über die Eberswalder Str./ Schönhauser Allee nicht möglich sein wird.

Aus Gründen der Sicherheit noch ein paar Worte:

Fans die bereits stark alkoholisiert am Stadion erscheinen kann der Zutritt zu diesem, durch den Sicherheitsdienst, verwehrt werden. Auch können übermäßiger Alkoholgenuss und dadurch bedingte Ausfallerscheinungen während des Spiels zum Spielausschluss führen.

Die Verwendung von Pyrotechnik bei öffentlichen Veranstaltungen ist rechtlich nicht zulässig. Politik, DFB und die DFL haben der Verwendung von Pyrotechnik in den Stadien wegen der erheblichen Verletzungsgefahren auch zukünftig eine klare Absage erteilt. Wir bitten Sie eindringlich, als verantwortungsbewusste Gäste im Stadion und im Stadtgebiet auf die Verwendung von Pyrotechnik zu verzichten. Nehmen Sie bitte unmittelbar Einfluss auf die Personen in Ihrer Nachbarschaft, die sich nicht an dieses Verbot halten. Helfen Sie so, die Gesundheit und das Leben von Anderen zu schützen. Das Zünden von Pyrotechnik wird von der Staatsanwaltschaft Berlin als gefährliche Körperverletzung, d. h. als Straftat mit der Strafandrohung einer Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu 10 Jahren, eingestuft.

Am Ende unserer Informationen bleibt uns nur noch zu wünschen, dass Sie und alle anderen Beteiligten einen schönen Freitagabend bei idealem Wetter genießen und ein spannendes und faires Fußballspiel erleben.

Ihre Berliner Polizei

Offener Brief an die Stiftung SPI zur Personalpolitik im Fanprojekt Babelsberg

Babelsberg, 12.04.2017

Sehr geehrte Damen und Herren der Stiftung SPI,

sehr geehrte Herren Zaborowski und von Essen,

der Fanbeirat Babelsberg hat in seiner Funktion als Interessenvertretung der Fans des SV Babelsberg 03 in der vergangenen Woche mit Erschrecken eine weitere folgenschwere Personalentscheidung Ihrerseits feststellen müssen, die wir auf diesem Weg in Form eines Offenen Briefes scharf kritisieren und hinterfragen möchten.

Sie sind als sozialer Träger nach der Abwicklung des Diakonischen Werks seit Juni 2014 für die Besetzung der sozialpädagogischen Stellen im Fanprojekt des SV Babelsberg 03 verantwortlich. Die 2,5 Stellen und Räumlichkeiten werden dabei durch den DFB, das Land Brandenburg und die Landeshauptstadt Potsdam finanziert. Die Verantwortungsbereiche für etwaige Personalentscheidungen liegen demzufolge zwar bei Ihnen, wirken sich jedoch auf verschiedene Ebenen aus – gegenüber der Fanszene und gegenüber der*n Zuwendungsgeber*innen. Folglich sehen wir es als unser Recht und auch als unsere Pflicht an, fragwürdige Entscheidungen aus Sicht der Fanszene zu beanstanden. Dass wir uns nun erstmalig seit der Übernahme an Sie wenden, ist auch ein Zeichen für eine bis dato funktionierende und kontinuierliche Fansozialarbeit durch Ihre Angestellten.

Sämtliche Mitarbeiter*innen des Fanprojekts, mit Ausnahme der Leitung, wurden über die Jahre hinweg mit befristeten Arbeitsverträgen hingehalten. Nun, da eine weitere Befristung aus arbeitsrechtlichen Gründen nicht mehr möglich war und unbefristete Verträge hätten ausgestellt werden müssen, entlassen Sie diese Mitarbeiter*innen mit auslaufenden Verträgen in die Arbeitslosigkeit. Mit dieser fragwürdigen Entscheidung setzen Sie jedoch nur die Spitze auf den vielzitierten Eisberg. Obwohl von Herbst 2015 an klar war, für welchen Zeitraum ein Ersatz für die in Elternzeit befindliche Leiterin Tine Stern benötigt wird, befristeten und verlängerten Sie den Vertrag von Bastian Schlinck (seit Juli 2015 tätig), der in dieser Zeit die Leitung übernahm, immer nur um wenige Monate, um ihn nun zum Ende April 2017 gänzlich auslaufen zu lassen. Auch die Nichtverlängerung des Vertrages der Elternzeitvertretung Florian Franke zu Ende März 2017 führte bereits zu starken Einschränkungen der Arbeit des Fanprojekts. Schon in der Übergangszeit zwischen Mitte März (Ende der Tätigkeit Florian Frankes aufgrund ausstehender Urlaubstage und Überstunden) und Mitte April (Wiedereinstieg Tine Sterns) konnten aufgrund der Unterbesetzung nicht alle Angebote des Fanprojekts (z.B. Betreuung der Auswärtsspiele, Offene Tage im Fanladen) umgesetzt werden. Bei den Heimspielen war eine Absicherung der Betreuung mitunter nur allein oder durch aushelfende Streetworker*innen möglich.

Das Mittel der befristeten Arbeitsverträge und die nun fehlenden Verlängerungen zeugen von wenig Wissen und Verständnis für die Besonderheiten der Jugendsozialarbeit insbesondere im Fußballfankontext. Durch Ihr ausschließlich unternehmerisch geprägtes sowie unsoziales Handeln gefährden Sie die über Jahre hinweg solide und verantwortungsbewusste Fansozialarbeit in Babelsberg essentiell. Gerade der sensible Arbeitsbereich Fußballfans erfordert unbedingt Kontinuität. Hier ist es wichtig, dass Ansprechpartner*innen für die jugendlichen und jungen erwachsenen Menschen konstant bleiben. Nur durch langfristige und regelmäßige Anwesenheit wird das immens wichtige Vertrauen zueinander aufgebaut. Oder um es mit Ihren eigenen Worten zu sagen, die der Geschäftsbereichsleiter Stefan Zaborowski zum 15-jährigen Jubiläum des Fanprojekts äußerte: „Fanarbeit bedarf vor allem kontinuierlicher Beziehungsarbeit.“ Warum wird diese Arbeit von Ihnen torpediert?

Genau dieses Vertrauen und die Wertschätzung sämtlicher Fangruppen genießen die nun von Ihnen fallen gelassenen Mitarbeiter*innen. Hier sind wahnsinnig wichtige Verbindungen und Arbeitsstrukturen entstanden, die nun nicht nur in Frage gestellt werden, sondern im schlimmsten Fall neu entstehen müssen. Das betrifft vor allem die in den letzten eineinhalb Jahren entstandenen Vertrauensbasen zur jungen Fanszene und neuen Kooperationspartner*innen. Eine professionelle Übergabe an die nun zurückkehrende Leiterin wird von Ihnen als Arbeitgeber*in durch die Personalentscheidungen massiv erschwert. Vor diesem Hintergrund ist die Nichtverlängerung des Vertrages ihres Mitarbeiters Bastian Schlinck völlig inakzeptabel und mit der genannten Zielsetzung in keiner Weise vereinbar. Dass diese Entscheidung erst wenige Wochen vor Ablauf der Befristung verkündet wird und Sie wiederholt einen verdienten Mitarbeiter extrem kurzfristig in die Arbeitslosigkeit schicken, zeugt von schlechtem Stil. Sind das die Werte und Einstellungen, die Sie Jugendlichen und anderem Klientel in ihren Projekten vermitteln wollen?

Mit Ihrer Entscheidung wird sehr gute Fanarbeit bestraft. Das daraus entstehende zeitliche Vakuum aus fehlender Übergabe und Unterbesetzung wird extrem negative Auswirkungen auf die Fanszene haben. So ist es äußerst fraglich, wie die kommenden Risikospiele auswärts beim BFC Dynamo und daheim gegen Energie Cottbus sozialpädagogisch betreut werden sollen. Insbesondere aufgrund der herausgehobenen Funktion der Sozialarbeiter als kommunikative Vermittler*innen zwischen Fans, Vereinen und Polizei betrachten wir dieses Szenario mit großer Sorge. Dieser Einschätzung werden sowohl Verbände, Vereine als auch Polizei zustimmen, da auch diese die Zusammenarbeit mit einem funktionierenden Fanprojekt in den letzten Jahren immer hervorhoben.

Wir fordern Sie auf, Ihre Entscheidungen zeitnah zu überdenken und zu revidieren. Wir wollen eine nachhaltige und überlegte Personalpolitik für das Fanprojekt Babelsberg. Ihre jetzige Verfahrensweise lässt den Ansatz Ihrer Arbeit zweifelhaft und unehrlich erscheinen.

Sie tragen die Verantwortung für feste und verlässliche Strukturen. Diese sind sicherzustellen und beinhalten die wirklichkeitsnahe Betreuung junger Menschen. Werden Sie sich dieser Verantwortung bewusst.

Bitte handeln Sie schnell und erhalten Sie die bisher gute Arbeit des Fanprojekts Babelsberg!

Fanbeirat Babelsberg