Offener Brief an die Stiftung SPI zur Personalpolitik im Fanprojekt Babelsberg

Babelsberg, 12.04.2017

Sehr geehrte Damen und Herren der Stiftung SPI,

sehr geehrte Herren Zaborowski und von Essen,

der Fanbeirat Babelsberg hat in seiner Funktion als Interessenvertretung der Fans des SV Babelsberg 03 in der vergangenen Woche mit Erschrecken eine weitere folgenschwere Personalentscheidung Ihrerseits feststellen müssen, die wir auf diesem Weg in Form eines Offenen Briefes scharf kritisieren und hinterfragen möchten.

Sie sind als sozialer Träger nach der Abwicklung des Diakonischen Werks seit Juni 2014 für die Besetzung der sozialpädagogischen Stellen im Fanprojekt des SV Babelsberg 03 verantwortlich. Die 2,5 Stellen und Räumlichkeiten werden dabei durch den DFB, das Land Brandenburg und die Landeshauptstadt Potsdam finanziert. Die Verantwortungsbereiche für etwaige Personalentscheidungen liegen demzufolge zwar bei Ihnen, wirken sich jedoch auf verschiedene Ebenen aus – gegenüber der Fanszene und gegenüber der*n Zuwendungsgeber*innen. Folglich sehen wir es als unser Recht und auch als unsere Pflicht an, fragwürdige Entscheidungen aus Sicht der Fanszene zu beanstanden. Dass wir uns nun erstmalig seit der Übernahme an Sie wenden, ist auch ein Zeichen für eine bis dato funktionierende und kontinuierliche Fansozialarbeit durch Ihre Angestellten.

Sämtliche Mitarbeiter*innen des Fanprojekts, mit Ausnahme der Leitung, wurden über die Jahre hinweg mit befristeten Arbeitsverträgen hingehalten. Nun, da eine weitere Befristung aus arbeitsrechtlichen Gründen nicht mehr möglich war und unbefristete Verträge hätten ausgestellt werden müssen, entlassen Sie diese Mitarbeiter*innen mit auslaufenden Verträgen in die Arbeitslosigkeit. Mit dieser fragwürdigen Entscheidung setzen Sie jedoch nur die Spitze auf den vielzitierten Eisberg. Obwohl von Herbst 2015 an klar war, für welchen Zeitraum ein Ersatz für die in Elternzeit befindliche Leiterin Tine Stern benötigt wird, befristeten und verlängerten Sie den Vertrag von Bastian Schlinck (seit Juli 2015 tätig), der in dieser Zeit die Leitung übernahm, immer nur um wenige Monate, um ihn nun zum Ende April 2017 gänzlich auslaufen zu lassen. Auch die Nichtverlängerung des Vertrages der Elternzeitvertretung Florian Franke zu Ende März 2017 führte bereits zu starken Einschränkungen der Arbeit des Fanprojekts. Schon in der Übergangszeit zwischen Mitte März (Ende der Tätigkeit Florian Frankes aufgrund ausstehender Urlaubstage und Überstunden) und Mitte April (Wiedereinstieg Tine Sterns) konnten aufgrund der Unterbesetzung nicht alle Angebote des Fanprojekts (z.B. Betreuung der Auswärtsspiele, Offene Tage im Fanladen) umgesetzt werden. Bei den Heimspielen war eine Absicherung der Betreuung mitunter nur allein oder durch aushelfende Streetworker*innen möglich.

Das Mittel der befristeten Arbeitsverträge und die nun fehlenden Verlängerungen zeugen von wenig Wissen und Verständnis für die Besonderheiten der Jugendsozialarbeit insbesondere im Fußballfankontext. Durch Ihr ausschließlich unternehmerisch geprägtes sowie unsoziales Handeln gefährden Sie die über Jahre hinweg solide und verantwortungsbewusste Fansozialarbeit in Babelsberg essentiell. Gerade der sensible Arbeitsbereich Fußballfans erfordert unbedingt Kontinuität. Hier ist es wichtig, dass Ansprechpartner*innen für die jugendlichen und jungen erwachsenen Menschen konstant bleiben. Nur durch langfristige und regelmäßige Anwesenheit wird das immens wichtige Vertrauen zueinander aufgebaut. Oder um es mit Ihren eigenen Worten zu sagen, die der Geschäftsbereichsleiter Stefan Zaborowski zum 15-jährigen Jubiläum des Fanprojekts äußerte: „Fanarbeit bedarf vor allem kontinuierlicher Beziehungsarbeit.“ Warum wird diese Arbeit von Ihnen torpediert?

Genau dieses Vertrauen und die Wertschätzung sämtlicher Fangruppen genießen die nun von Ihnen fallen gelassenen Mitarbeiter*innen. Hier sind wahnsinnig wichtige Verbindungen und Arbeitsstrukturen entstanden, die nun nicht nur in Frage gestellt werden, sondern im schlimmsten Fall neu entstehen müssen. Das betrifft vor allem die in den letzten eineinhalb Jahren entstandenen Vertrauensbasen zur jungen Fanszene und neuen Kooperationspartner*innen. Eine professionelle Übergabe an die nun zurückkehrende Leiterin wird von Ihnen als Arbeitgeber*in durch die Personalentscheidungen massiv erschwert. Vor diesem Hintergrund ist die Nichtverlängerung des Vertrages ihres Mitarbeiters Bastian Schlinck völlig inakzeptabel und mit der genannten Zielsetzung in keiner Weise vereinbar. Dass diese Entscheidung erst wenige Wochen vor Ablauf der Befristung verkündet wird und Sie wiederholt einen verdienten Mitarbeiter extrem kurzfristig in die Arbeitslosigkeit schicken, zeugt von schlechtem Stil. Sind das die Werte und Einstellungen, die Sie Jugendlichen und anderem Klientel in ihren Projekten vermitteln wollen?

Mit Ihrer Entscheidung wird sehr gute Fanarbeit bestraft. Das daraus entstehende zeitliche Vakuum aus fehlender Übergabe und Unterbesetzung wird extrem negative Auswirkungen auf die Fanszene haben. So ist es äußerst fraglich, wie die kommenden Risikospiele auswärts beim BFC Dynamo und daheim gegen Energie Cottbus sozialpädagogisch betreut werden sollen. Insbesondere aufgrund der herausgehobenen Funktion der Sozialarbeiter als kommunikative Vermittler*innen zwischen Fans, Vereinen und Polizei betrachten wir dieses Szenario mit großer Sorge. Dieser Einschätzung werden sowohl Verbände, Vereine als auch Polizei zustimmen, da auch diese die Zusammenarbeit mit einem funktionierenden Fanprojekt in den letzten Jahren immer hervorhoben.

Wir fordern Sie auf, Ihre Entscheidungen zeitnah zu überdenken und zu revidieren. Wir wollen eine nachhaltige und überlegte Personalpolitik für das Fanprojekt Babelsberg. Ihre jetzige Verfahrensweise lässt den Ansatz Ihrer Arbeit zweifelhaft und unehrlich erscheinen.

Sie tragen die Verantwortung für feste und verlässliche Strukturen. Diese sind sicherzustellen und beinhalten die wirklichkeitsnahe Betreuung junger Menschen. Werden Sie sich dieser Verantwortung bewusst.

Bitte handeln Sie schnell und erhalten Sie die bisher gute Arbeit des Fanprojekts Babelsberg!

Fanbeirat Babelsberg

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