Die Wahlkommission informiert: Fanbeiratswahl verschoben

Die für den kommenden Samstag, den 20. Mai 2017, geplante Wahl eines neuen Fanbeirats muss aus technischen Gründen auf den August verschoben werden. Der genaue Termin wird noch bekannt gegeben. Durch die Verschiebung können sich auch noch weitere Personen zur Wahl stellen. Bewerbungen werden bis zum 15. Juli 2017 angenommen und sind per Mail an die Wahlkommission zu schicken (fanbeiratswahl_babelsberg{at}gmx.de). Bis ein neuer Fanbeirat gewählt ist, bleibt der bestehende im Amt.

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Offener Brief zum Auswärtsspiel in Luckenwalde

Offener Brief des Fanbeirats

Am kommenden Sonntag, den 14. Mai 2017 tritt der SV Babelsberg sein vorletztes Punktspiel der Saison 2016/2017 beim FSV Luckenwalde im Werner- Seelenbinder Stadion an. Als Interessenvertretung der Fans des SV Babelsberg 03, muss der Fanbeirat feststellen, dass aus der Schande von Luckenwalde augenscheinlich nicht viel gelernt bzw wenig Verantwortung übernommen wird.Vor einem Jahr, als die beiden Teams im Finale des Landespokals aufeinander trafen, kam es nach Abpfiff des Spiel zu einem übermäßigen, unverhältnismäßigen und in keinster Weise zu entschuldigenden Polizeieinsatz. Die Folge waren Bewusstlose, über 100 zum Teil schwer und leichtverletzte Fans des SV Babelsberg 03, die eigentlich nur mit ihrem Team das gewonnene Finale feiern wollten.

Damals lag die Planung und Verantwortung für den Gästeblock beim SV Babelsberg 03. Für das kommende Punktspiel wird die Verantwortung beim gastgebenden Verein, dem FSV Luckenwalde liegen. Die aktuelle Planung und Durchführung des Spieltages zeigt das fehlende Verantwortungsbewusstsein ganz klar. Die Herangehensweise des FSV Luckenwalde ist derart unsensibel und wird vom Fanbeirat aufs Deutlichste kritisiert. Seitens des FSV Luckenwalde gab es bis zum heutigen Zeitpunkt noch keine Stellungsnahme zu den Vorkommnissen im Mai letzten Jahres.

Es gab bei den im Vorfeld stattfindenden Sicherheitsbesprechungen zum sonntäglichen Spiel keine Einbeziehung unseres Fanprojekts oder Fanbeirats. In den letzten Jahren ist es bisher immer gängige Praxis gewesen, dass Fanprojekt auch zu Sicherheitsbesprechungen bei Auswärtsspielen mit einzuladen und die Perspektive anzuhören, nicht so geschehen in Luckenwalde.

Wie wir nun dem Besprechungsprotokoll entnehmen müssen, wird an dem Spieltag eine übertriebene und rigide Sicherheitspolitik umgesetzt, welche eine eventuelle Retraumatisierung von Fans billigend in Kauf nimmt. Nicht nur, dass die Einlasssituation von Kräften der brandenburgischen Polizei unterstützt wird. Was bedeutet, dass die Fans bereits am Einlass mit der Situation konfrontiert werden, eventuell den Polizeikräften zu begegnen, welche ihnen massiv gewalttätig gegenüber getreten sind. Hinzu kommt, dass der herangezogene Ordnungsdienst von der Firma OSD gestellt wird. Jene Firma die auch in Cottbus den Sicherheitsdienst stellt und Vermutungen zulassen, dass auch “Fans” der aktiven Szene dort angestellt sind. In Anbetracht der vergangenen Erlebnisse beim Heimspiel des SV Babelsberg 03 gegen den FC Energie Cottbus, eine weitere fatale Entscheidung. Die Nulldrei Fans sind der weiteren Bedrohung ausgesetzt in den Reihen des Ordnungsdienst Personen anzutreffen, welche beim Heimspiel antisemitisch, rassistisch und gewaltbereit aufgetreten sind.

Dies sind nur wenige Punkte, die für uns den Eindruck entstehen lassen, dass die Sicherheitspolitik nicht deeskalierend sein will, sondern eher zu einer Eskalation beiträgt. Es ist unerklärlich warum nicht zu einer lückenlosen Aufarbeitung der Schande von Luckenwalde beigetragen wird, sondern stattdessen eine Retraumatisierung so leichtfertig hingenommen wird. Es wird für einige Fans ohnehin schwierig sein an den Ort zu kommen, an denen sie derartige Gewalterfahrungen machen mussten. Die bisherigen Sicherheitsanordnungen sind abgestumpft und tragen nicht zur Bewältigung der Ängste bei.

Wir fordern den FSV Luckenwalde dazu auf, das Sicherheitskonzept zu überdenken und schnellstmöglich zu handeln. Es gibt kein Anlass dafür eine Bedrohungskulisse aufzubauen oder ein Gefahrenpotenziel herauf zu beschwören. Es soll für alle Nulldrei Fans ein Angstfreies Spiel und Spieltagserlebnis werden.

Der Fanbeirat

Interview mit Christian Lippold zur „Schande von Luckenwalde“

Christian Lippold ist Mitglied des Vorstands von Nulldrei und seit 2014 Sicherheitsbeauftragter. Zuvor war er 11 Jahre Fanbeauftragter. Ein Jahr nach der „Schande von Luckenwalde“ traf sich der Fanbeirat mit Christian Lippold, um mit ihm über die Vorkommnisse am 28.05.2016 zu reden.

Christian Lippold, welche Aufgaben hat der Sicherheitsbeauftragte des SVB? Grundsätzlich ist der Sicherheitsbeauftragte eines Vereins für die saubere und problemfreie Abwicklung des Spieltags im eigenen Stadion zuständig. Das umfasst im Vorfeld die Kommunikation mit dem Gastverein im Hinblick auf erwartete Zuschauerzahlen, Abstimmung von Fanutensilien und generellen Fanbelangen sowohl mit den Vertretern des Gastvereins als auch den Fanvertretern der eigenen Fanszene, die Organisation von Personal (Ordnungsdienst, Kassenkräfte), die Abstimmung mit der Polizei und dem Verband. Am Spieltag gilt es dann, das Geplante umzusetzen, den Kontakt zu den einzelnen Protagonisten im Stadion zu halten und wenn nötig einzugreifen. Bei uns gestaltete sich dies anfangs etwas komplizierter, weil mit dem Abgang von Hartmut Streich auch der bis dato agierende Sicherheitsdienst Securitas „keinen Bock mehr auf uns hatte“ und damit auch der Einsatzleiter am Spieltag (Jens Müller) von einem Tag auf den anderen nicht mehr zur Verfügung stand. Über die Gründe lässt sich nur spekulieren, aber der zeitliche Zusammenfall mit dem Wechsel des Sicherheitsbeauftragten ist ziemlich offensichtlich. Somit musste eine komplett neue Ordnungsgruppe initiiert werden, was wir als Chance nutzen wollten, die Mischung aus Vereins- und gewerblichen Ordnern aufzuheben und im Heimbereich fortan ausschließlich auf Vereinsordner zu setzen. Nach mittlerweile fast drei Jahren, kann ich sagen, dass ich mit der Umsetzung ziemlich zufrieden bin. Bei Auswärtsspielen stelle ich dem gastgebenden Verein die zu erwartenden Zuschauerzahlen zur Verfügung, was unter intensiver Abstimmung (u.a. Fanprojekt und Fanbeirat) erfolgt. Auch obliegt mir die Verantwortung, inwieweit wir Ordner mit zum Auswärtsspiel schicken.

Warum hat der SVB beim Pokalfinale die Verantwortung für den Gästeblock übernommen? Aus Ihrer Beschreibung klingt das nicht nach dem normalen Vorgehen? Das ist korrekt. Für die Absicherung des Gästeblockes ist immer und ausschließlich der Heimverein zuständig. Allerdings haben wir bereits im Punktspiel gegen Luckenwalde (wie auch schon zuvor einmal in Rathenow) eine Eigenverantwortung im Gästeblock übernommen. Bei Luckenwalde ist der Grund, dass dort für den Gästeblock standardmäßig Personal von OSD – dem Sicherheitsdienst von Energie Cottbus – geordert wird. Ohne den dort handelnden Personen etwas unterstellen zu wollen, sahen wir grundsätzlich die Gefahr, dass bei OSD eingesetzte Personen aus dem Ultra-Umfeld von Energie, vor dem Gästeblock agieren könnten. Dies wollten wir verhindern, was beim Punktspiel ja auch problemlos funktioniert hat.

Welche Verantwortung muss sich der SVB generell und vor Allem Sie sich selbst für die Geschehnisse in Luckenwalde zurechnen lassen? Wo sind von Ihnen Fehler gemacht worden? Grundsätzlich muss man sagen, dass bei uns im Vorstand jeder sein eigenes Fachgebiet „beackert“. Von daher muss ich alles, was mit dem Spiel direkt zu tun hat, auf meine Kappe nehmen. Und sicher gibt es im Nachhinein eine ganze Menge Dinge, die es zu hinterfragen gilt – was ich auch intensiv getan habe. Da wäre zum einen natürlich generell die Frage, inwieweit es sinnvoll war, bei einem Spiel, was allein aufgrund der Zuschauerzahl nicht mit dem Punktspiel vergleichbar war, die Absicherung des Gästeblockes zu übernehmen. Gerade im Hinblick auf die diffuse Gemengelage zwischen dem gastgebenden Verein, dem Verband und vor allem der Polizei hätte man auf eine Verantwortungsübernahme verzichten sollen. Auch weil wir dem FSV mehrfach angeboten hatten, das Spiel im Karli auszutragen. Eigentlich hat uns der Verlauf lange Recht gegeben, aber in der Gesamtbetrachtung muss ein Agieren auf fremden Terrain – gerade in Extremsituationen – als nicht zu verantworten eingeschätzt werden. Der sicherlich größte Fehler war, das Fanprojekt in der Spielvorbereitung außen vor zu lassen. Das war zwar kein bewusstes, sondern ein rein technisches Versäumnis, aber ich hätte die fehlende Kommunikation durch den FSV feststellen müssen. Auch wenn die Einschätzung des Verbandes hinsichtlich eines Platzsturm mit Hilfe des Fanprojektes auch nicht hätte geändert werden können, so hätte es zumindest eine bessere Vermittlung der Situation geben können. Die Frage selbst, ob wir als Verein mehr Druck auf den Verband hätten ausüben können, um ein abgesichertes Betreten des Spielfelds zu tolerieren, ist obsolet. Die Position war unumstößlich. Und auch, wenn es im Nachgang absurd klingen mag, das einzige, was wir in dieser Diskussion rausholen konnten, war, dass wir das Betreten des Platzes mit unseren Ordnern und nicht wie gefordert durch eine Polizeikette vor dem Block verhindern wollten. Das genau das im Endeffekt dann doch passiert ist, wird sicher von vielen als die wirkliche Schuld gesehen. Losgelöst betrachtet ist das auch so und ich hätte mich sicher deutlich weniger erklären müssen, wenn ich in dieser Situation anders, also gar nicht gehandelt hätte. Es wird niemals jemand aufklären können, wie es gekommen wäre, wenn ich nicht agiert hätte, daher kann ich nur immer wieder die Ausgangslage schildern, die zu der Entscheidung geführt hat. Inwieweit ein anderes Vorgehen ein weniger, vielleicht aber auch noch schlimmeres Resultat hervorgebracht hätte, muss jeder für sich selbst ausmachen. Fakt war, dass der Verband auch in der Halbzeitpause noch einmal auf Nachfrage der Polizei klargemacht hat, dass ein Betreten des Platzes mit allen Mitteln verhindert werden muss. So sehr wir auch darauf bestanden, dass wir die Situation ohne Polizeikräfte in den Griff bekommen wollten, so sicher war uns, dass sobald wir dies nicht schaffen würden, die an den diagonalen Mundlöchern postieren Bereitschaftskräfte eingreifen würden. Als sich nun zum Spielende abzeichnete, dass es doch vermehrt zum Betreten des Platzes kommen würde, war auch klar, dass wir diesbezüglich auch nicht mehr befragt werden würden. Daher war der Plan, einen Teil der Polizeikräfte sichtbar am Anfang der Gegengerade zu platzieren, um den Fans die drohenden Konsequenzen einer Platzbetretung zu verdeutlichen. Dass die Kommunikation in dem Moment ins Leere lief, weil der Zugführer sich weigerte auf mich zu reagieren und im Endeffekt entgegen meiner Aufforderungen nicht entspannt am Anfang des Blockes, sondern in Vollmontur direkt vor den feiernden Fans Stellung bezog, war neben der Frage, ob der Plan überhaupt Erfolgsaussichten hatte, dann auch noch in der Umsetzung eine Katastrophe. Aber ich hatte auch keine Ahnung, dass – sobald ich die Polizei mit ins Spiel nehme – ich meine eigene Hoheit vor dem Block verloren hatte. Das mag zwar für den polizeikritischen Fußballfan nicht überraschend sein, für mich – der ich im heimischen Karli ganz anders mit der Polizei kooperieren kann – aber schon. Spätestens ab diesem Zeitpunkt war mein Handeln nur noch betäubtes Reagieren, hilflos und machtlos.

Entschuldigen Sie Sich dafür bei den verletzten und traumatisierten Fans? Natürlich bedauere ich es zutiefst, dass an diesem Tag eine extrem hohe Zahl an Unschuldigen direkt durch Gewalteinwirkung oder aber auch allein durch das Erlebte teilweise andauernden Schaden genommen haben. Dies vor allem vor dem Hintergrund, dass ich mit der Entscheidung, Verantwortung zu übernehmen, ja genau das Gegenteil erreichen wollte. Und auch, wenn ich nicht weiß, zu welchem Ergebnis ein anderes Vorgehen geführt hätte, so muss ich mir doch die Tatsache, dass die Polizei direkt vor dem Gästeblock Stellung bezogen hat, grundsätzlich zurechnen lassen.

Steht der Verein bei der Aufarbeitung der Schande von Luckenwalde hinter seinen Fans? Wenn ich jetzt sage Ja, werden alle im Hinblick auf die gemeinsame Presserklärung abwinken. Ich meinte eigentlich, dass Archibald Horlitz in seinem Video-Interview mit Nulldrei-TV deutlich gemacht hat, was er mit dieser Stellungnahme erreichen wollte. Und auch, wenn der Aufschrei seitens der Fans verständlich ist und sein Plan im Hinblick auf den Innenausschuss nicht aufging, so muss man auch sagen, dass die Bereitschaft seitens der Polizei, die Vorkommnisse so intensiv zu untersuchen, ohne dieses anfängliche Zusammenrücken von Horlitz und Meyritz eventuell nicht passiert wäre. Für viele wird sich das nach einem taktischen Geplänkel auf dem Rücken der Fans anhören und mir ist diese Stellungnahme auch bereits mehrfach auf die Füße gefallen, aber ich habe eben auch noch nie zuvor erlebt, dass ein Direktionsleiter Verantwortung für einen Polizeieinsatz in seinem Gebiet übernimmt und Verfehlungen einräumt. Trotzdem war durch die Erklärung der ursprünglich verabredeten gemeinsamen Aufarbeitung zwischen Fans, Fanprojekt und Verein die Tür versperrt. Der Verein schien sich auf die Seite der „Angreifer“ geschlagen zu haben. Dabei ist unsere eigentliche Position irgendwo zwischen den Stühlen. In Einzelgesprächen gab es immer Verständnis für das Agieren des Vereins, nach Außen wurde aber immer wieder mit Forderungen agiert. In diese Gemengelage mischt sich die Tatsache, dass zwar seitens des Vereins auf der Infoveranstaltung im Juni 2016 das eigenen Handeln hinterfragt wurde und Kritik angenommen wurde, aus der Fanszene aber bis heute kein Reflektieren des eigenen Vorgehens an diesem Tag zu vernehmen ist. Ohne jetzt mit dem Finger auf andere zu zeigen, glaube ich einfach, dass es dazugehören sollte, die Geschehnisse vorbehaltsfrei zu analysieren und dazu gehört es nach meinem Empfinden eben auch, erst einmal vor der eigenen Tür zu kehren und dann anzuprangern. Das hätte ich mir zumindest so vorgestellt. Aber davon mal abgesehen, hat gerade Archibald Horlitz im Nachgang überall versucht, die Verfehlungen der Polizei offenkundig zu machen und vor allem die Ausführungen von Backhaus im Innenausschuss und die damit verbundenen Vorwürfe gegen die Fanszene zu widerlegen. Auch sind wir mit Betroffenen im Kontakt, die sich mittlerweile mit Strafanträgen konfrontiert sehen und versuchen da entsprechende Unterstützung zukommen zu lassen. Und wir sind sensibel genug – auch das gehört dazu – auf die Forderungen der Fans einzugehen, Maik Dittmann vorerst nur bedingt bei Auswärtsspielen einzuplanen. Und das, obwohl die von den Fans ihm zugerechnete Verantwortung für den Polizeieinsatz falsch ist. Sowohl Grundidee als auch Umsetzung war auf meinem „Mist gewachsen“, er hat mir nur den Zeitpunkt geliefert.

Welche Konsequenzen haben Sie für sich persönlich aus der Schande von Luckenwalde gezogen? Dass ich diese Funktion nicht lange ausüben werde. Und natürlich, dass wir nie wieder in einem fremden Stadion mit fremden Einsatzleitern eine hausrechteähnliche Verantwortung übernehmen.

In Luckenwalde wurden hunderte Nulldrei-Fans traumatisiert. Wie geht der Vorstand damit um? Es ist schwer, da durch den Vertrauensverlust nach der Erklärung der Verein sicher nicht die erste Adresse für einen Hilferuf ist. Ich hatte Ende letzten Jahres in einem Austausch mit nur03* zugesagt, dass wir im Karli eine Veranstaltung zum Thema durchführen können und sind mittlerweile dabei, den Fanbeirat bei der Organisation und Durchführung zu unterstützen. Das kann auch nur auf diesem Weg passieren, da wir weder die Kompetenz haben, uns dem Thema selbst zu widmen, als auch und vor Allem gar nicht frei von dem selbst Erlebten sind. Auch wir – und damit meine ich neben mir auch vor allem unsere Ordner – haben dort Dinge mit ansehen und erleben müssen, die in vieler Hinsicht Narben hinterlassen haben.

Was haben die Vorfälle von Luckenwalde für eine Auswirkung auf Ihre Zusammenarbeit mit der Polizei und auf welche Konsequenzen müssen/dürfen sich Nulldrei-Fans einstellen? Als erstes muss vorausgeschickt werden, dass wir als Verein mit der Potsdamer Polizei sowie der zuständigen Polizeidirektion West in den letzten Jahren eine sehr professionelle Zusammenarbeit entwickelt haben. Gerade was die Frage der Zuständigkeit im Stadion anbelangt, dürften uns viele Vereine in der Liga beneiden. (Da brauche ich nur an den letzten Sonntag in Berlin denken.) Ich musste aber in Luckenwalde lernen, dass die im Karli gelebte Praxis eben nicht landesweite Normalität ist. Um daher zumindest für die Heimspiele das Erreichte zu festigen, hatten wir relativ zeitnah im letzten Sommer unter Einbeziehung von Fanprojekt und Fanbeirat potentielle Szenarien mit der Polizei durchgesprochen und geprüft, welche Konsequenzen aus den unterschiedlichen Vorfällen resultieren können. Dabei wurde noch einmal klar herausgestellt, dass die Hauptverantwortung für den Schutz des Objekts (Stadion + Einlassbereich) beim Verein liegt. Lediglich bei Straftaten oder wenn wir selbst darum bitten, greift die Polizei ein. Auch haben wir deutlich gemacht, dass es wenig hilfreich sein kann, die in Luckenwalde eingesetzten Kräfte aus Frankfurt/Oder in naher Zukunft zu einem Spiel mit Nulldrei-Beteiligung hinzuzuziehen. Zumindest bei den Heimspielen habe ich die Hoffnung, dass uns das erspart bleibt.

Dieses Interview erschien im Ultra Unfug #245 zum Heimspiel gegen Energie Cottbus.

Antwortschreiben der Stiftung SPI

Als Antwort auf unseren offenen Brief bezüglich der Personalpolitik im Fanprojekt Babelsberg hat der Fanbeirat nun ein Schreiben von der Stiftung SPI erhalten. In diesem bezieht der Geschäftsbereichsleiter Stefan Zaborowski Stellung zu der von uns geäußerten Kritik. Die komplette Antwort könnt ihr hier nachlesen. Auf drei Punkte möchten wir jedoch genauer eingehen

„In der Zuwendungslogik sind Arbeitsverträge immer zeitlich oder projektbezogen befristet.“ 

Allerdings besteht das Fanprojekt bereits seit dem Jahr 2001 und ein Ende ist nicht absehbar. Auch haben die meisten anderen Fanprojekte in Deutschland, die denselben Voraussetzungen unterliegen, durchaus festangestellte Mitarbeiter. Warum sind nicht wenigstens projektbefristete Verträge im Fanprojekt Babelsberg an der Tagesordnung? Auch die nun neu zu besetzende Stelle enthält eine Befristung bis zum 30.05.2018.

„Unsere langjährige Projektleiterin Tine Stern wurde aufgrund von Elternzeit befristet bis Ende April von Herrn Schlinck vertreten.“


An der Wahrheit dieser Aussage haben wir erhebliche Zweifel, weil sich die Stellenausschreibungen der SPI anders lesen. Da Bastian Schlinck im Juli 2015 begann im Fanprojekt zu arbeiten, wird das seine Ausschreibung gewesen sein:
Sozialpädagoge/Sozialarbeiter (aus paritätischen Gründen männlich)
zum 01.07.2015 für das Fanprojekt Babelsberg in Potsdam gesucht.

Die Stelle ist vorerst befristet bis zum 30.06.2016
Der Stellenumfang beträgt zunächst 25 Stunden/Woche.

Die tatsächliche Elternzeitvertretung Florian Franke hatte folgende Stellenausschreibung:

Dipl. Sozialarbeiterin/Dipl. Sozialpädagogin (aus paritätischen Gründen weiblich besetzt)
zum 01.03.2016 für das Fanprojekt Babelsberg in Potsdam gesucht. Die Stelle ist eine Elternzeitvertretung und vorerst befristet bis zum 31.03.2017.

Sehr geehrte Herr Zaborowski warum brauchte das Fanprojekt Babelsberg zwei Elternzeitvertretungen? Oder war es nicht tatsächlich so, dass Bastian Schlinck lediglich die Funktion der Projektleitung und nicht die Person Tine Stern an sich vertrat? Und wenn Ihnen diese Situation angeblich schon so lange bekannt war, warum schreiben Sie die offene Stelle erst jetzt zum 01.06.2017 aus?

„Die von Ihnen angesprochenen kommenden Spiele {BFC und Cottbus} werden durch das Fanprojekt selbstverständlich sozialpädagogisch betreut.“

Doch wie leistungsfähig kann diese Betreuung sein? Bereits getroffene Absprachen bezüglich der Risikospiele zwischen Bastian Schlinck, dem Verein und der Fanszene mussten kurzfristig neu abgeklärt werden. Darüber hinaus ist das für Fanarbeit notwendige Vertrauen „nicht nur von der jeweiligen Person abhängig, es ist im besonderen Maße auch ein langsam wachsender Entwicklungsprozess. Dieser Prozess ist geprägt durch gegenseitige Erfahrungen, besonders in schwierigen Situationen.“ (Stellungnahme des SV Babelsberg 03) Fanprojektmitarbeiter*innen können nich wie Triebwagen einer Bahn beliebig ohne „Leistungsverlust“ ausgetauscht werden. Somit ist der Zeitpunkt für eine derart radikale personelle Umstrukturierung natürlich mehr als unglücklich.

Sehr geehrter Herr Zaborowski, wir sind es Leid uns weiterhin Märchen von Ihnen erzählen zu lassen! Ihre Darstellung, die die Nichtverlängerung des Vertrages von Herrn Schlinck alltäglich aussehen lassen soll, ist wie oben begründet unglaubwürdig und in unseren Augen unehrlich. Was wollen Sie uns und der Öffentlichkeit verheimlichen?
Unsere Forderungen bleiben derweil die selben. Wir wünschen uns für die Mitarbeiter*innen des Fanprojekts Babelsberg unbefristete Arbeitsverträge. Außerdem möchten wir Ihnen bei der Auswahl der Mitarbeiter*innen mit unserer Expertise helfend zur Seite stehen. Lassen Sie uns gemeinsam die Vorraussetzungen für gute und verlässliche sozialpädagogische Arbeit in Babelsberg erhalten.

Fanbeirat Babelsberg

„Fanbrief“ der Polizei Berlin zum Spiel beim BFC am 23.04.17.

Im folgenden werden wir den Fanbrief der Berliner Polizei zum nächsten Spiel beim BFC Dynamo am 23.04.17 dokumentieren. 

Sehr geehrte Fans und Freunde des SV Babelsberg 03,

am Sonntag, den 23. April 2017 werden Sie und Ihre Mannschaft im Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion anlässlich der Spielbegegnung gegen den BFC Dynamo zu Gast sein. Dazu heißt Sie die Polizei herzlich willkommen!

Um Ihre Sicherheit und ein friedliches Fußballfest zu gewährleisten werden wir mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern präsent sein und alle erforderlichen Maßnahmen treffen.

Ansprechpartner:

Wir pflegen bei uns in Berlin einen kooperativen und kommunikativen Umgang mit den Fußballvereinen und ihren Fans. Dies gilt für die Polizei und den Ordnungsdienst im und am Stadion gleichermaßen. Sollte es zu Problemen kommen, sprechen Sie uns, die Mitarbeiter des Ordnungsdienstes, Ihren Fanbeauftragten oder Mitarbeiter Ihres Fanprojektes einfach an. Wir stehen untereinander in Kontakt und sind bemüht, Missverständnisse zu klären, Konflikte zu vermeiden und zu lösen.

Anreise:

Um Rivalitäten der Fanszenen untereinander vorzubeugen und Auseinandersetzungen zu verhindern, wird bei dieser Spielbegegnung die Trennung der beiden Fanlager erforderlich. Daher ist die Anfahrt vom Alexanderplatz zum Stadion mit der U8 über die Bernauer Straße die für Sie bequemste und sicherste Anreiseroute ins Stadion. Vom U-Bahnhof Bernauer Straße aus können Sie dann die Straßenbahn (M10) bis zur Haltestelle Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark nutzen oder den Weg zu Fuß (ca. 1 km) zurücklegen.

Abreise:

Die für Sie sicherste Abreiseroute erfolgt analog der Anreise. Nutzen Sie daher die Straßenbahn (M10) bis zur Haltestelle Bernauer Str. oder legen Sie den Weg wahlweise zu Fuß (ca. 1 km) zurück. Dann fahren Sie mit der U8 in Richtung Alexanderplatz.

Von Fans, die im Anschluss an das Spiel, die Kultur- und Schankwirtschaft „Baiz“ an der Schönhauser Allee/ Wörther Straße aufsuchen wollen, ist der Weg über die Eberswalder Str. – Oderberger Str. – Schönhauser Allee – Wörther Str. zu nutzen, da aus Gründen der Fantrennung eine Abstrom über die Eberswalder Str./ Schönhauser Allee nicht möglich sein wird.

Aus Gründen der Sicherheit noch ein paar Worte:

Fans die bereits stark alkoholisiert am Stadion erscheinen kann der Zutritt zu diesem, durch den Sicherheitsdienst, verwehrt werden. Auch können übermäßiger Alkoholgenuss und dadurch bedingte Ausfallerscheinungen während des Spiels zum Spielausschluss führen.

Die Verwendung von Pyrotechnik bei öffentlichen Veranstaltungen ist rechtlich nicht zulässig. Politik, DFB und die DFL haben der Verwendung von Pyrotechnik in den Stadien wegen der erheblichen Verletzungsgefahren auch zukünftig eine klare Absage erteilt. Wir bitten Sie eindringlich, als verantwortungsbewusste Gäste im Stadion und im Stadtgebiet auf die Verwendung von Pyrotechnik zu verzichten. Nehmen Sie bitte unmittelbar Einfluss auf die Personen in Ihrer Nachbarschaft, die sich nicht an dieses Verbot halten. Helfen Sie so, die Gesundheit und das Leben von Anderen zu schützen. Das Zünden von Pyrotechnik wird von der Staatsanwaltschaft Berlin als gefährliche Körperverletzung, d. h. als Straftat mit der Strafandrohung einer Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu 10 Jahren, eingestuft.

Am Ende unserer Informationen bleibt uns nur noch zu wünschen, dass Sie und alle anderen Beteiligten einen schönen Freitagabend bei idealem Wetter genießen und ein spannendes und faires Fußballspiel erleben.

Ihre Berliner Polizei

Offener Brief an die Stiftung SPI zur Personalpolitik im Fanprojekt Babelsberg

Babelsberg, 12.04.2017

Sehr geehrte Damen und Herren der Stiftung SPI,

sehr geehrte Herren Zaborowski und von Essen,

der Fanbeirat Babelsberg hat in seiner Funktion als Interessenvertretung der Fans des SV Babelsberg 03 in der vergangenen Woche mit Erschrecken eine weitere folgenschwere Personalentscheidung Ihrerseits feststellen müssen, die wir auf diesem Weg in Form eines Offenen Briefes scharf kritisieren und hinterfragen möchten.

Sie sind als sozialer Träger nach der Abwicklung des Diakonischen Werks seit Juni 2014 für die Besetzung der sozialpädagogischen Stellen im Fanprojekt des SV Babelsberg 03 verantwortlich. Die 2,5 Stellen und Räumlichkeiten werden dabei durch den DFB, das Land Brandenburg und die Landeshauptstadt Potsdam finanziert. Die Verantwortungsbereiche für etwaige Personalentscheidungen liegen demzufolge zwar bei Ihnen, wirken sich jedoch auf verschiedene Ebenen aus – gegenüber der Fanszene und gegenüber der*n Zuwendungsgeber*innen. Folglich sehen wir es als unser Recht und auch als unsere Pflicht an, fragwürdige Entscheidungen aus Sicht der Fanszene zu beanstanden. Dass wir uns nun erstmalig seit der Übernahme an Sie wenden, ist auch ein Zeichen für eine bis dato funktionierende und kontinuierliche Fansozialarbeit durch Ihre Angestellten.

Sämtliche Mitarbeiter*innen des Fanprojekts, mit Ausnahme der Leitung, wurden über die Jahre hinweg mit befristeten Arbeitsverträgen hingehalten. Nun, da eine weitere Befristung aus arbeitsrechtlichen Gründen nicht mehr möglich war und unbefristete Verträge hätten ausgestellt werden müssen, entlassen Sie diese Mitarbeiter*innen mit auslaufenden Verträgen in die Arbeitslosigkeit. Mit dieser fragwürdigen Entscheidung setzen Sie jedoch nur die Spitze auf den vielzitierten Eisberg. Obwohl von Herbst 2015 an klar war, für welchen Zeitraum ein Ersatz für die in Elternzeit befindliche Leiterin Tine Stern benötigt wird, befristeten und verlängerten Sie den Vertrag von Bastian Schlinck (seit Juli 2015 tätig), der in dieser Zeit die Leitung übernahm, immer nur um wenige Monate, um ihn nun zum Ende April 2017 gänzlich auslaufen zu lassen. Auch die Nichtverlängerung des Vertrages der Elternzeitvertretung Florian Franke zu Ende März 2017 führte bereits zu starken Einschränkungen der Arbeit des Fanprojekts. Schon in der Übergangszeit zwischen Mitte März (Ende der Tätigkeit Florian Frankes aufgrund ausstehender Urlaubstage und Überstunden) und Mitte April (Wiedereinstieg Tine Sterns) konnten aufgrund der Unterbesetzung nicht alle Angebote des Fanprojekts (z.B. Betreuung der Auswärtsspiele, Offene Tage im Fanladen) umgesetzt werden. Bei den Heimspielen war eine Absicherung der Betreuung mitunter nur allein oder durch aushelfende Streetworker*innen möglich.

Das Mittel der befristeten Arbeitsverträge und die nun fehlenden Verlängerungen zeugen von wenig Wissen und Verständnis für die Besonderheiten der Jugendsozialarbeit insbesondere im Fußballfankontext. Durch Ihr ausschließlich unternehmerisch geprägtes sowie unsoziales Handeln gefährden Sie die über Jahre hinweg solide und verantwortungsbewusste Fansozialarbeit in Babelsberg essentiell. Gerade der sensible Arbeitsbereich Fußballfans erfordert unbedingt Kontinuität. Hier ist es wichtig, dass Ansprechpartner*innen für die jugendlichen und jungen erwachsenen Menschen konstant bleiben. Nur durch langfristige und regelmäßige Anwesenheit wird das immens wichtige Vertrauen zueinander aufgebaut. Oder um es mit Ihren eigenen Worten zu sagen, die der Geschäftsbereichsleiter Stefan Zaborowski zum 15-jährigen Jubiläum des Fanprojekts äußerte: „Fanarbeit bedarf vor allem kontinuierlicher Beziehungsarbeit.“ Warum wird diese Arbeit von Ihnen torpediert?

Genau dieses Vertrauen und die Wertschätzung sämtlicher Fangruppen genießen die nun von Ihnen fallen gelassenen Mitarbeiter*innen. Hier sind wahnsinnig wichtige Verbindungen und Arbeitsstrukturen entstanden, die nun nicht nur in Frage gestellt werden, sondern im schlimmsten Fall neu entstehen müssen. Das betrifft vor allem die in den letzten eineinhalb Jahren entstandenen Vertrauensbasen zur jungen Fanszene und neuen Kooperationspartner*innen. Eine professionelle Übergabe an die nun zurückkehrende Leiterin wird von Ihnen als Arbeitgeber*in durch die Personalentscheidungen massiv erschwert. Vor diesem Hintergrund ist die Nichtverlängerung des Vertrages ihres Mitarbeiters Bastian Schlinck völlig inakzeptabel und mit der genannten Zielsetzung in keiner Weise vereinbar. Dass diese Entscheidung erst wenige Wochen vor Ablauf der Befristung verkündet wird und Sie wiederholt einen verdienten Mitarbeiter extrem kurzfristig in die Arbeitslosigkeit schicken, zeugt von schlechtem Stil. Sind das die Werte und Einstellungen, die Sie Jugendlichen und anderem Klientel in ihren Projekten vermitteln wollen?

Mit Ihrer Entscheidung wird sehr gute Fanarbeit bestraft. Das daraus entstehende zeitliche Vakuum aus fehlender Übergabe und Unterbesetzung wird extrem negative Auswirkungen auf die Fanszene haben. So ist es äußerst fraglich, wie die kommenden Risikospiele auswärts beim BFC Dynamo und daheim gegen Energie Cottbus sozialpädagogisch betreut werden sollen. Insbesondere aufgrund der herausgehobenen Funktion der Sozialarbeiter als kommunikative Vermittler*innen zwischen Fans, Vereinen und Polizei betrachten wir dieses Szenario mit großer Sorge. Dieser Einschätzung werden sowohl Verbände, Vereine als auch Polizei zustimmen, da auch diese die Zusammenarbeit mit einem funktionierenden Fanprojekt in den letzten Jahren immer hervorhoben.

Wir fordern Sie auf, Ihre Entscheidungen zeitnah zu überdenken und zu revidieren. Wir wollen eine nachhaltige und überlegte Personalpolitik für das Fanprojekt Babelsberg. Ihre jetzige Verfahrensweise lässt den Ansatz Ihrer Arbeit zweifelhaft und unehrlich erscheinen.

Sie tragen die Verantwortung für feste und verlässliche Strukturen. Diese sind sicherzustellen und beinhalten die wirklichkeitsnahe Betreuung junger Menschen. Werden Sie sich dieser Verantwortung bewusst.

Bitte handeln Sie schnell und erhalten Sie die bisher gute Arbeit des Fanprojekts Babelsberg!

Fanbeirat Babelsberg

Offener Brief an PD Schiewe 23.03.2017

Sehr geehrter Herr Schiewe,

mit dieser E-Mail nehmen wir Bezug auf Ihr Gesprächsangebot, welches Sie uns im Rahmen der 15-Jahre-Feier des Fanprojekts im Dezember 2016 Feier unterbreiteten.
Wir möchten Ihnen mitteilen, dass wir uns entschieden haben, dieses Angebot nicht wahrzunehmen. Sofern wir Sie richtig verstanden haben, sollte es in dem Treffen inhaltlich um die Grundlagen ihrer polizeilichen und unserer ehrenamtlichen Arbeit gehen. Für diesen Austausch sehen wir momentan keinen Bedarf, da Sie uns die Grundlagen Ihrer Arbeit bereits bei der Sicherheitskonferenz in der Sommerpause 2016 erklärt haben. Wir haben diese verstanden, protokolliert und an die Fans weitergegeben. Allzu viel Grundsätzliches wird sich seitdem ja sicher nicht geändert haben. Die Grundlagen unserer Arbeit haben wir auf eben jener Feier dargelegt. Falls Sie dazu noch Fragen haben, zögern Sie nicht, uns im Rahmen eines der nächsten Sicherheitsgespräche anzusprechen.

Ein weiterer Grund für die Nichtteilnahme sind die immer noch nicht komplett öffentlich aufgearbeiteten Vorfälle vom Pokalfinale in Luckenwalde. Auch wenn wir es Ihnen hoch anrechnen, dass Sie als Einziger von Polizeiseite aus Stellung zu unserem Dossier nahmen – und das obwohl Sie beim Einsatz nicht einmal direkt beteiligt waren – haben wir einfach keine Lust mehr auf informelle Gespräche. Stattdessen fordern wir eine öffentliche Stellungnahme, gern auch in Form einer Pressemitteilung, die folgende offene Fragen klärt:

• Wir erwarten von der Polizei Brandenburg, dass endlich die Zahlen zu den verletzten Fans überprüft und korrigiert werden. Es muss endlich anerkannt werden, dass es eine sehr viel höhere Zahl an durch Reizgas verletzte Personen sowie einige schwerverletzte Fans gab. Die Öffentlichkeitsfahndung nach einem vermeintlich schwerverletzten Fan bestätigt diese indirekte Korrektur der Zahlen bereits. Hier fehlt aber eine explizite und öffentliche Entschuldigung für die Verbreitung falscher Zahlen und Korrektur derselben.

• Wir wollen endlich wissen, gegen wie viele Beamte genau und wegen welcher Straftatbestände ermittelt wird. In bilanzziehenden Presseerklärungen wird regelmäßig nach Fußballspielen veröffentlicht, gegen wie viele Personen auf Grundlage welcher vermeintlicher Straftaten vorgegangen wurde. Im Zusammenhang mit den Vorwürfen gegen Polizist*innen fehlen diese Angaben. Es ist deshalb völlig unklar, ob auch gegen jene Beamte ermittelt wird, die exzessiv und durch nichts gerechtfertigt Reizgas versprüht haben. Darüber hinaus ist nicht bekannt, ob die gewalttätigen Beamten, die so viele Fans verletzt und traumatisiert haben, weiterhin im Einsatz sind und eventuell auch bei Spielen des SV Babelsberg 03 eingesetzt werden. Das heißt, bei jedem Kontakt mit Bereitschaftspolizist*innen müssen die Fans davon ausgehen, dass sie erneut mit jenen Beamten konfrontiert sind, die sie in Luckenwalde verprügelt und mit Reizgas eingesprüht haben. Für eine echte Aufarbeitung sind Informationen zu den Tatbeständen, den daraus folgenden Ermittlungen sowie mögliche dienstrechtliche sowie strafrechtliche Konsequenzen für die Beamten unumgänglich.

An dieser Stelle möchten wir betonen, dass wir die Arbeit mit Ihnen als äußerst konstruktiv und produktiv empfinden. Außerdem haben sie Teile der Fragen bereits in persönlichen Gesprächen beantwortet. Wenn Sie also ein weiteres Treffen mit uns wünschen, müssen auch die oben genannten Punkte diskutiert werden und die Antworten darauf veröffentlicht werden. Bevorzugen würden wir aber weiterhin ein proaktives Handeln Ihrerseits und eine öffentliche Stellungnahme der Polizei Brandenburg zu den von uns aufgeworfenen Fragen.

Freundliche Grüße

Fanbeirat Babelsberg