NOFV-Pressegespräch vom 08.02.2018

Im Folgenden möchte der Fanbeirat einige kontroverse Aussagen der Protagonisten vom gestrigen Nachmittag zusammenfassen.

Nazis Raus aus den Stadien
Diesen Satz unterstrichen alle NOFV-Verantwortlichen mit Nachdruck. Vor allem Stephan Oberholz stellte sein langjähriges Engagement gegen jegliche Form von Diskriminierung heraus. Betonte aber nochmal, dass er bis zum Offen Brief unseres Vereins an den DFB-Präsidenten im November nichts von antisemitischen Sprechchören oder Hitlergrüßen im Gästeblock wusste. Die »wage Andeutung« unseres Vereins es  hätte eine »unermesslich hohe Anzahl von verfassungsfeindlichen und volksverhetzenden Entgleisungen im Gästeblock« gegeben, reichte laut Oberholz nicht für eine weitere Eigenrecherche aus. »Oft werden bei politisch gegensetzlichen Fanlagern Schutzbehauptungen aufgestellt.«

Antirassismus-Beauftragter
Um die Arbeit des Sportgerichts zu verbessern und diskriminierende Verfehlungen in Zukunft zu sanktionieren, wurde bereits zum 01. Januar 2018 die Stelle für einen Antirassismus-Beauftragten geschaffen. So weit so gut. Bekleiden wird diese Stelle allerdings Mario Pinkert. Das geht aus der amtlichen Mitteilung 06/2017 S.10  des NOFV hervor und ist mittlerweile auch so auf der NOFV-Website vermerkt. Jener Mario Pinkert war gleichzeitig Spielbeobachter (Punkt 4) beim letztjährigen Brandenburg-Derby. Auf Nachfrage bestätigte Stephan Oberholz gestern, dass sich Pinkert im Block neben der Nordkurve aufhielt. Er habe den Ausruf »Nazischweine Raus« eines einzelnen Babelsberger gehört, nicht aber die lautstarken diskriminierenden Sprechchöre der Gästefans. Auch die dutzenden Hitlergrüße habe er nicht wahrgenommen. Sollte sich Mario Pinkert tatsächlich am besagten Ort aufgehalten habe, ist seine Aussage eine dreiste Lüge. Die Vorfälle waren so massiv, dass wirklich jeder in der Nordkurve sie mitbekommen hat. Dass jemand, der seine Augen bewusst vor Rechts verschließt und mit seinem Verhalten Nazis hofiert, nun antirassistische Arbeit leisten soll, ist ein schlechter Scherz

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Kollektivstrafen
Stephan Oberholz äußerte sich durchaus zustimmend die Linie des DFB-Präsidenten Grindel mitzugehen und auf Kollektivstrafen zu verzichten. Letztendlich bräuchte es dazu eine Satzungsänderung, die aber im NOFV und bundesweit noch dieses Jahr kommen soll. Warum Babelsberg im letzten Sportgerichtsurteil für Vorfälle gegen Fürstenwalde und Altglienicke trotzdem mit einem Geisterspiel auf Bewährung bestraft wurde, erklärte er wie folgt: »Die Strafe für ein angedrohtes Geisterspiel ist nicht neu. Wir haben lediglich den Bewährunsgzeitraum verlängert.« Ursprünglich stamme die Strafe aus dem Mai, als auch noch der DFB dieses Bestrafungsmittel anwandte.
Wir teilen das Rechtsverständnis von Stephan Oberholz nicht. Man muss sich schon entscheiden, ob man Kollektivstrafen verhängt oder eben nicht. Alles andere wäre eine Ungleichbehandlung innerhalb des Verbandes.

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Offener Brief an den NOFV

Aufgrund der letzten Ereignisse und Handlungen des NOFVs in Bezug auf das Urteil gegen den SV Babelsberg 03 vom Spiel gegen den FC Energie Cottbus am 28.04.2017 nimmt der Fanbeirat Stellung und fordert den sofortigen Rücktritt der handelnden Personen auf Seiten des NOFVs, sowie die Rücknahme des Urteils in Bezug auf den Ausruf “Nazischweine raus”.

Sehr geehrte Herren Milkoreit, Fuchs und Oberholz,

es ist der 28.04.2017, Tag des Brandenburgderbys Babelsberg 03 gegen Energie Cottbus. Im Auswärtsblock des Karl-Liebknechts-Stadion versammeln sich mehrere vermummte Neonazis. Sie brüllen antisemitische Parolen wie »Arbeit macht frei, Babelsberg 03« und andere diskriminierende Beleidigungen. Der Hitlergruß wird das erste Mal bereits 30 Minuten vor Anpfiff gezeigt und gehört an diesem Tag anscheinend zur beliebtesten Begrüßungsform im Auswärtsblock. Später werden diese Nazis versuchen, den Platz zu stürmen, um Andersdenkende körperlichen Schaden zuzufügen. Dass dies während des Spiels bereits durch Leuchtspuren und geworfene Pyrotechnik passiert, gerät schon fast in Vergessenheit. Während Strafgerichte einige Monate später entsprechende Urteile gegen ermittelte Täter aussprechen, haben Sie es bis heute nicht geschafft, diese Vergehen zu ahnden. Schlimmer noch, unterm Strich wird der SV Babelsberg 03 zu einer höheren Strafe als Energie Cottbus verurteilt.

Wir möchten Sie an dieser Stelle an ihre Verbandssatzung §3 Absatz 2 erinnern. Die Aufgaben des Verbandes sind: “rassistischen, verfassungs- und fremdenfeindlichen Bestrebungen sowie anderen diskriminierenden und menschenverachtenden Verhaltensweisen entschieden entgegen zu treten; diesbezügliche Vorkommnisse sind Formen unsportlichen bzw. grob unsportlichen Verhaltens und nach den Bestimmungen der Rechts und Verfahrensordnung zu ahnden.” Und genau das ist bis zum heutigen Tag im Fall Cottbus nicht passiert. Stattdessen bestrafen sie das couragierte Auftreten der Nulldreianhänger*innen, die sich mit dem Ausruf »Nazischweine Raus« zur Wehr setzten. Dass der Einsatz gegen rassistische und demokratiefeindliche Bewegungen bestraft wird,  ist im deutschen Fußball einzigartig. So verstoßen Sie nicht nur gegen Ihre eigene Satzung, sondern bringen alle Mitglieder des NOFVs in Verruf. Ihr Handeln ist stur, dilettantisch und unverantwortlich. Öffnet es doch Tür und Tor für rechtsextremistische Strömungen im Stadion, welche bisher verschlossen schienen.

Zu ihrer Verteidigung führen Sie in Persona Oberholz ins Feld, dass sie von all den Naziumtrieben und diskriminierenden Sprechchören nichts gewusst haben wollen. Im Bericht des Schiedsrichters und des Spielbeobachters sei davon einfach nicht die Rede gewesen. Warum Sie bei ihrer Beweisfindung allerdings keine Presseschau betreiben oder frei zugängliche Videoaufnahmen sichten, ist uns ein Rätsel. Entweder ist Ihre Arbeit unprofessionell oder ideologisch belastet. Ihre Aussage »Da wussten wir nichts von, schlicht und ergreifend« legt den Verdacht nahe, dass sie die Augen ganz bewusst vor dem Problem des Rechtsextremismus verschließen und auf dem rechten Auge blind sind.

Dass unser Urteil bei weitem kein Einzelfall ist, bewiesen Sie unlängst bei der Bewertung der Vorfälle des Spiels der BSG Chemie bei Lok Leipzig. Auch hier gab es Geldstrafen für Pyrotechnik auf Bundesliganiveau. Von einer Bestrafung diskriminierender Gesänge der Lok Fans wurde aber abgesehen. Eine Reflektion des eigenen Handelns hat bei Ihnen ganz offensichtlich nicht stattgefunden. Unserem Verein wurde bis heute keine Möglichkeit gegeben, gegen das Urteil persönlich vorzugehen. Anstatt Probleme gemeinsam an einem Tisch zu besprechen, setzen Sie weiterhin auf Eskalation. Mittlerweile drohen Sie dem SV Babelsberg 03 sogar mit dem Ausschluss vom Spielbetrieb. Ein ungeheuerliches Vorgehen, wenn man bedenkt welche Seite sich hier im Rahmen der Satzung bewegt und welche nicht. Doch wir lassen uns nicht einschüchtern. Wir werden weiter für einen Fußball kämpfen, in dem Nazis, Rassisten, Antisemiten und homophobe Einstellungen nicht geduldet werden. Unsere Werte sind nicht verhandelbar!

Wir fordern Sie auf, diesem unsäglichen Schauspiel ein Ende zu setzen! Räumen Sie ihre Posten für Menschen, die es mit den Werten unseres Sports ernst meinen. Sie haben dem Nordostdeutschen Fußballverband lang genug geschadet. In einem Verband, in dem der Einsatz gegen Diskriminierung bestraft wird und Nazis hofiert werden, darf es kein Weiter so geben. Wir fordern alle Vereine des NOFVs und deren Anhänger*innen auf, unseren Aufruf und den Protest gegen den Verband zu unterstützen. Es ist an der Zeit für einen Wechsel an der Spitze des NOFVs!

Fanbeirat Babelsberg, 01.02.2018